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Karl Hafner

ROCK-MEMOIREN

Killing Bono

Das Gelächter ist groß, als die besten Kumpels plötzlich verkünden: Wir heißen jetzt nicht mehr Paul und David, sondern Bono und The Edge, und unsere Band heißt U2. Wie albern! Schließlich kennt man sich seit Jahren und streitet sich jedes Mal wieder, wer nun Vorband sein muss und wer als Headliner spielen darf. Nick Hamms britisch-irischer Film (Senator) von 2011 erzählt auf recht komische Weise die Geschichte der Geschwister Neil und Ivan McCormick: In den Achtzigern träumen sie davon, mit ihrer Band den Durchbruch zu schaffen – und müssen dann ihren Jugendfreunden dabei zusehen, wie sie eine der größten Rockbands der Welt werden und bald wie zum Spott von jeder Plakatwand grinsen. Neil ist an sich ein gewiefter Kerl, mit Geschmack, mit Talent. Er sieht besser aus als Bono, aber er hat seinen Stolz. Und der macht wirklich alles zunichte, was irgendwann irgendetwas werden könnte. Lauter schäbige Figuren spuken hier herum: ein Gangster, der für eine Anschubfinanzierung Rendite erwartet, ein Musikjournalist, der für seine Story ehemalige Freunde opfert, Label-Leute, die vollgekokst nicht bis drei zählen können. Alles erscheint so lächerlich, so zufällig und blöd, dass man den beiden Jungs bald wünscht, sie hätten es wenigstens als Profifußballer versucht. Und dann klappt es wider jedes Erwarten doch – beinahe. Hinter dem Klamauk steckt die bittere Erkenntnis: U2 gibt es nur einmal, aber genauso gut hätte jemand anderes U2 werden können. Eine Binsenweisheit, gewiss. Schrecklich aber, wenn man – der Film basiert auf den tatsächlichen Memoiren von Neil McCormick – ganz nah dran war.

SCHWABING-KOMÖDIE

Zur Sache, Schätzchen

Martin hat keinerlei Ambitionen, nach nirgendwohin. Sein Brotjob, Schlagertexte schreiben, ist ihm egal, er bleibt lieber im Bett. Überhaupt nimmt Martin kaum etwas ernst, am wenigsten bürgerliche Konventionen, in May Spils Kino-Hit (Ascot Elite) von1967. Der Film hat damals perfekt den Zeitgeist getroffen und macht auch heute noch eine Menge Spaß, auch wenn manches an dieser Geschichte über einen notorischen Verweigerer – bei aller Liebe – inzwischen zart angestaubt wirkt. Martin leitet aus seinem „Abgeschlafftsein“ gleich mal ein ganzes Lebensgefühl ab, unterfüttert es mit Pseudophilosophie und reichlich großspurigen Sprüchen, die unterdessen in den deutschen Sprachkanon eingegangen sind. Auch als er Augenzeuge eines Einbruchs wird, lässt ihn das Geschehen kalt. Sein bester Freund Henry, ein erfolgloser Schauspieler, überredet ihn zwar, zur Polizei zu gehen, aber dort machen sich die beiden bloß selber verdächtig. Im Freibad wird dann weitergetextet, ehe die fesche Barbara (Uschi Glas in ihrer ersten Rolle) in eine Glasscherbe steigt und Hilfe braucht – was alle weiteren Pläne, produktiv zu werden, über den Haufen wirft. Man lässt sich durch die Stadt treiben, neckt sich, ärgert die Spießbürger, doch trotz aller Heiterkeit liegt ein Schatten der Melancholie über diesem wunderbaren Münchner Sommer: Auch diesmal wird er unweigerlich vorübergehen. Und dann fuchtelt Martin auch noch im falschen Moment mit einer Pistole herum. Hat er nicht immer gesagt, es werde böse enden? Na, hätte deutlich schlimmer kommen können. Karl Hafner

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