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Karl Hafner

HORROR-FANTASIE

A Field in England (2013)

Regie: Ben Wheatley

Völlig irre, die Wirren des Bürgerkriegs in diesem britischen Horrortrip von Film (Ascot Elite): Ein Alchimist sucht einen Zauberer, der geheime Dokumente gestohlen haben soll. Begleitet wird er von drei Deserteuren, mit denen er in einer Kneipe den ganzen Kriegswahnsinn wegsaufen will. Doch bald zwingt sie der Zauberer, nach einem Schatz zu suchen. Also wird gegraben und geflucht – wichtiger aber ist die Grundstimmung einer psychedelischen Reise voller Paranoia, Hysterie und magischer Anwandlungen. Famos die beunruhigenden Schwarz-weiß-Bilder, der ständige Wind, der ewig weite Blick in die Leere, dazu ein monotoner Percussion-Soundtrack, der die Verlorenheit der Figuren seinerseits verstärkt. Manche nennen derlei abschätzig einen Kunstfilm. Wer jedoch Geduld hat, wird vielleicht nicht verstehen. Aber sehen.

HISTORIENMELODRAM

Treffen in Travers (1988)

Regie: Michael Gwisdek

Die Wirren der französischen Revolution bestimmen das Leben des Ehepaars Forster. Georg (Hermann Beyer), revolutionsnaher Dichter aus Deutschland, lebt in Paris, wo die Köpfe rollen. Therese (Corinna Harfouch), lebt mit den Kindern im einigermaßen geordneten Preußen. Zu einem „Treffen in Travers“ (Absolut Medien) in der neutralen Schweiz bringt sie ihren Liebhaber Ferdinand mit – schließlich will sie die Scheidung. Das Wiedersehen im einsamen Landgasthof entwickelt sich zur verzwickten Dreiecksgeschichte – es wird gesoffen, gestritten und geweint, und bald flackert die Liebe zwischen Georg und Therese wieder auf. Michael Gwisdeks Defa-Regiedebüt erzählt vom Widerstreit zwischen Leidenschaft und Ratio, zwischen wildem Leben oder Sicherheit – viel komplexer, plausibler und dichter, als man das aus all den ach so stereotypen Melodramen kennt. Ein privates Drama vor historischer Kulisse: Selten funktioniert das so gut wie hier, mit großartigen Schauspielern.

SÜDSTAATEN-KOMÖDIE

Der Gauner – The Reivers (1969)

Regie: Mark Rydell

Die größte Freiheit, das ist ein Auto in dieser Verfilmung (explosive media) eines Romans von William Faulkner, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Mississippi spielt. Der reiche McCaslin ist verreist – also greifen sich die Bediensteten seinen neuen gelben „Winton Flyer“ für eine Spritztour nach Memphis. Für den Gelegenheitsarbeiter Boon (Steve McQueen), den schwarzen Ned und McCaslins elfjährigen Enkel Lucius beginnt ein chaotischer Vier-Tage-Trip, der alles enthält, was zu einer Spitzbuben-Story gehört: Lügen, Tricksen, Schlägereien und reichlich Ärger mit dem Sheriff. Am Ende fühlt Lucius sich erwachsen. Er war im Bordell, beim Pferderennen und weiß, wie rassistisch die Welt funktioniert. Wunderbar nostalgisch das alles, sonnendurchflutet und kurzweilig.Karl Hafner

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