NEU AUF DVD : NEU AUF DVD

Karl Hafner

BIOPIC

Lovelace

Regie: Rob Epstein und Jeffrey Friedman

Für den Pornofilm „Deep Throat“ (1972), immerhin einer der kommerziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten, bekam die Hauptdarstellerin Linda Lovelace 1200 Dollar – auf dem Papier. Selbst diesen Witzbetrag hat sie nie gesehen, ihr Ehemann Chuck Raynor hat das Geld eingestrichen. Von dieser Beziehung erzählt der Film (Planet Media) raffiniert in zwei Versionen. Da ist die offizielle, die den Porno Chic gesellschaftsfähig machte und von mündigen Menschen erzählt, dazu ein Schuss Koketterie und Rebellentum. Die andere stützt sich auf die Autobiografie Lovelace’, die einige Jahre nach „Deep Throat“ erschienen ist: Hier geht es um Demütigungen, Vergewaltigungen, Prügel und Zwang. So wird aus dem coolen Raynor ein drogensüchtiger Sadist, aus den rebellischen Regisseuren von damals werden Ignoranten, die die blauen Flecken der Darstellerin einfach überschminken. Am Ende steht eine sagenhaft triste Geschichte – so emotionslos erzählt, dass einem das Schicksal Lovelace’ nicht wirklich nahekommt. Gut andererseits, dass der Film auf Schlüpfrigkeiten verzichtet.

KOMÖDIE

Liberal Arts

Regie: Josh Radnor

Der 35-jährige Jesse Fisher, gespielt vom Regisseur selbst, ist ein Büchermensch, immer und überall lesend und reichlich lebensfern. Dieser Mann braucht, keine Frage, dringend ein Mädchen. Als Jesse zur Verabschiedung seines Professors an sein einstiges College geladen wird, lernt er die 19-jährige Studentin Zibby kennen – und ist fasziniert von ihrem Redeschwall, ihren postpubertären Philosophien, ihrem Lachen und ihrer Unbedarftheit. Nur liegen denn doch Welten zwischen beiden, und so müssen andere Jesse helfen, endlich in seinem Leben anzukommen. Dean zum Beispiel: Der manisch-depressive Student mag dieselben Bücher wie Jesse. Oder eine von Jesse früher vergötterte Literaturprofessorin, inzwischen allerdings zur Zynikerin gereift. Das ist manchmal recht dick aufgetragen und nah am Klischee. Doch weiß der Film (Koch Media) von 2012 immer ein Stück neben den Erwartungen zu bleiben – so charmant und liebenswürdig, dass einem selbst das gelegentliche Geplapper zur Musik wird.

THRILLER

Numbers Station

Regie: Kasper Barfoed

Die Vokabeln Moral und Gewissen bringt man nicht gerade mit CIA-Agenten in Verbindung. Beides scheint eher hinderlich, und John Cusack muss das, als Agent Emerson Kent zuständig für Morde und Attentate, erst noch lernen. Als bei einem Einsatz eine unschuldige Augenzeugin erschossen wird, zweifelt er an allem – und wird, als untauglich eingestuft, nach England in eine geheime Funkstation versetzt, die Geheimanweisungen an die Agenten im Feld übermittelt. Wer in dieser Numbers Station die Codes kennt, hat die Macht. Also muss alles gut gesichert sein, mit Schleusentoren und Elektrozäunen, Zugangscodes und Kamerasystemen. Die Station ist tatsächlich ein bizarres Gebilde von gewaltiger Größe, irgendwo im Nirgendwo, bedienbar mit ganz wenig Personal. Kent verbringt seine Schicht mit einer Kryptologie-Expertin – blond, jung, gut aussehend, hochhackige Schuhe –, die die Codes übermittelt. Bald wird die Station Ziel eines Angriffs, es beginnt ein Spiel auf Zeit und eines zwischen Zweifel und Vertrauen. Allzu originell ist die Handlung des Films (Universum) von 2013 nicht, doch gelingt es dem dänischen Regisseur Kasper Barfoed, eine derart grimmige, surreale und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, dass dieser Belagerungszustand tatsächlich an den Nerven zerrt. Karl Hafner

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben