Kultur : NEU AUF DVD

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KOMÖDIE Jacques Tati Collection, 4 DVDs, Universum 38,99 € (einzeln 15,99 €). Dass der Rahmenmacher, RugbyProfi und spätere Komiker Jacques Tati sich sein Handwerk beim Varieté abschaute, ist in seinen Filmen nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. Tati, der „Ingenieur des Komischen“, hat die Tonspuren seiner Filme regelrecht erfunden. Es klickt, rattert, summt und stöhnt – und man hat es noch nie so gut hören können wie nun auf der DVD-Edition. Reizvoll ist sie auch, weil sie die von seiner Tochter Sophie Tatischeff Ende der neunziger Jahre restaurierten Filmfassungen zeigt. Seinen ersten Langspielfilm, „Tatis Schützenfest“ (1947) hatte Tati in einem neuen Farbverfahren gedreht, aber dann doch nur in Schwarz-Weiß gezeigt – Sophie Tatischeff rekonstruierte das ursprüngliche Farbenspiel. In den oscarprämierten „Ferien des Monsieur Hulot“ (1953) tritt Tati erstmals in Gestalt der Figur auf, die ihn berühmt machte: mit schlaksigem, leicht nach vorn gebeugtem Gang, Pfeife und zu kurzen Hosen; mit diesem fortwährenden, aber niemals verzweifelten Fehl-am-Platz-Sein auch in den automatisierten Wohnwelten der Villa Arpel („Mon oncle“ 1958) und einem erfundenen Futur-Paris („Playtime“ 1967). Für das gigantomanische opus magnum hatte Tati eine künstliche Stadt erbauen lassen und sich damit gründlich ruiniert – denn erstmals dominierte die visuelle Komik seiner detailversessenen Inszenierungen über den windschiefen Slapstick, den sein Publikum so liebte. „Playtime“ zeigt, wie sehr die DVD Segen ist und Fluch zugleich: nie und nimmer wird der Fernsehschirm dem raffinierten Reichtum des Dekors und der komplexen Arrangements simultan sich entfaltenden Bildwitzes gerecht. Anderseits kann man sich diesen in jeder Hinsicht einzigartigen Film nun mehrmals hintereinander anschauen – und immer ist etwas Neues zu sehen. Man muss sich halt nur ganz nah an den Fernseher setzen.

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