Kultur : NEU AUF DVD

Christian Schröder

KONZERTDOKU Bernd Begemann & die Befreiung: Die Welt wird von uns hören (Grand Hotel Van Cleef) Bernd Begemann ist seit zwanzig Jahren ein Beinahe-Popstar, einer, der sich den Enthusiasmus nicht nehmen lässt, auch wenn die Sender seine Songs noch immer nicht spielen. Sie heißen „Ich habe nichts erreicht außer dir“ oder „Ein Abschied zu viel“ – hymnische kleine Gitarrenpopwunder und bittersüße Lebensbilanzballaden, die fürs Format-Radio ohnehin zu schade sind. Bernd Begemann ist ein begnadeter Entertainer. Wahrscheinlich kennt er jede deutsche Autobahnraststätte, seit er mit seiner ersten Band Die Antwort begann, die Independent-Clubs der Republik abzuklappern. Jetzt ist er, mit neuer Begleitung, im legendären WDR-„Rockpalast“ angekommen: 10. März 2005, „Harmonie“ Bonn. Begemann trägt, wie immer, einen eng geschnittenen Anzug, scherzt, schwitzt, schäkert, lässt die Gitarre heulen und jaulen und das enthusiasmierte Publikum das „Ohohohohoho“ im Refrain seines Hits „Oh, St. Pauli“ mitsingen. Die DVD dokumentiert das mitreißende Achtzig-Minuten-Konzert, die Bonustracks enthalten Kürzest-Statements von Begemann und seinen Musikern zu Stichworten wie „Eimsbüttel“ (Hamburger Stadtteil, in dem B. nicht wohnen möchte) oder „Schlager“ (unterschätzt, findet B.) und frühe Musikvideos, die mit wackligen Bildern und halb ironischem Dilettantismus den kruden Mitmach-Charme der achtziger Jahre verströmen. Eigentlich ist der Hamburger Pop-Poet ein Cineast. In einem Stück beschreibt er, wie er sich mit seinem politisierenden Kollegen Jochen Distelmeyer von Blumfeld „Rambo III“ im Kino anschaut. „Jochen sagte: Bernd, du betreibst Betrug / du bist einfach nicht radikal genug! / Ich sagte: Jochen, sieh es mal so: du bist Godard und ich Truffaut!“

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