Kultur : NEU AUF DVD

Christian Schröder

THRILLER Magic,

Regie: Richard Attenborough

Eine Leiche einfach in einem See zu entsorgen: Das ist, wie jeder erfahrene Krimizuschauer weiß, keine sonderlich gute Idee. Sie taucht garantiert wieder auf. In „Magic“, dem wunderbar altmodischen Psychothriller aus dem Jahr 1978, kommt es noch ärger. Die Leiche will gar nicht erst untergehen. Eine klassische Noir-Szene: dunkelste Nacht, der Mörder ekelt sich vor den Schlangen, die er im Wasser vermutet, und als er mit seinem Opfer die Mitte des Sees erreicht hat, beginnt der vermeintliche Tote ihn zu würgen. Corky (Anthony Hopkins) ist ein Varietéstar, Mr. Greene (Burgess Meredith), der Mann, den er halb tot geschlagen hat und nun endgültig ertränkt, sein Agent. Corky leidet unter schizophrenen Schüben. Fats, seine Bauchrednerpuppe, gewinnt immer mehr Macht über ihn. „Sei kein Schlappschwanz“, hat sie ihm befohlen. „Zieh ihn aus dem Verkehr!“

Richard Attenboroughs („Gandhi“) Film nach einem Drehbuch von William Goldman („Marathon Man“, „Misery“) handelt vom langsamem Driften in den Wahnsinn. Es ist vor allem der Film von Anthony Hopkins, der mit „Magic“ den Durchbruch zum A-Star in Hollywood schaffte. Man kann in Corky schon die Züge von Dr. Hannibal Lecter erkennen, den er später im „Schweigen der Lämmer“ spielen sollte: dieselben schläfrig hängenden Augenlider, ein Phlegma, das jederzeit umschlagen kann in gnadenlose Wut, das berühmte sarkastische Lachen.

Corky führt Zauberkunststücke vor, er spielt mit der Vorstellungskraft der Zuschauer. Seine Puppe, mit der er in StripLokalen und schließlich im Fernsehen auftritt, sieht ihm verblüffend ähnlich. Fats, die Puppe, pöbelt und höhnt, sie lebt die unerfüllten Obsessionen des Artisten aus. „Der Trick“, sagt Corky, „ist es, die Leute im entscheidenden Moment mit etwas Unwichtigem abzulenken.“ Ein Satz, der auch von Lecter stammen könnte. Aber Corky besitzt etwas, was Lecter abgeht: die Fähigkeit zum Mitleid. Im Grunde ist er ein armes Würstchen, ein von seinen Ängsten beherrschter Triebtäter wie Anthony Perkins in „Psycho“. Weil er das Böse in sich aufsteigen spürt, war er aus New York in das einsame Provinzhaus eines Jugendschwarms (AnnMargret) geflohen. Doch jetzt fordert Fats: „Nimm das Messer!“

Den Melody Lake – was für ein Name! – gibt es tatsächlich. Er liegt in Minnesota, das Fremdenverkehrsamt verspricht „einmalige Naturerlebnisse“. Wer „Magic“ gesehen hat, wird dort niemals Urlaub machen.

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