Kultur : NEU AUF DVD

Julian Hanich

DOKUMENTATION „Ginga – The Soul of Brazilian Football“, R: Hank Levine, Tocha Alves, Marcelo Machado. B 2005, 63 Min.

Ginga? So nennen sie in Brasilien das magische Talent, mit dem Fußball Dinge zu tun, die sonst keiner kann. Angeblich ist es den Brasilianern gemeinsam mit dem Samba-Rhythmus in die Wiege gelegt. Der Fußball im Blut: ein schreiendes Klischee – das auf einer neuen DVD freilich eindrucksvoll bebildert wird. „Ginga – The Soul of Brazilian Football“ ist weniger Dokumentarfilm als ein langer Fußballclip mit ein paar dazwischengeschobenen Interviews. Oft mit mehreren Kameras gefilmt und in Zeitlupe wiederholt, werden hier Tricks ausgebreitet, die man mit bloßem Auge gar nicht erkennen würde. Der Film – mitproduziert von „City of God“-Regisseur Fernando Mereilles – stellt zehn Männer und Frauen vor, die das Gegenteil dessen sind, was man hierzulande als Rumpelfüßler bezeichnet. Romarinho zum Beispiel, dessen Gegner sich vorkommen müssen, als hätten sie es mit einem gaunernden Hütchenspieler zu tun: Alles geht so schnell, dass die Kugel immer woanders liegt als vermutet. Falcao, ein begnadeter Hallenspieler. Karine, die den Ball ein paar tausend Mal in der Luft halten kann. Auf dem Bonus-Track verbreiten Ronaldinho, Ronaldo und Roberto Carlos in knappen Statements die erstaunliche Erkenntnis, dass auch sie Fußball im Blut haben. Wer sich das mystische Ginga-Geraune ersparen will, schaltet den Ton ab und schaut einfach zu – mit fußballgroßen Augen und einem Mund, der so offen steht wie die Abwehr vor Jens Lehmann.

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