Kultur : NEU AUF DVD

Karl Hafner

DOKU Der Boxprinz. Regie: Gerd Kroske. Deutschland, 2002, 100 Min., erschienen bei Absolut Medien. 17,90 Euro. Auf die Fresse hauen, auf die Fresse bekommen – das ist die Lebensphilosophie der Menschen in Gerd Kroskes preisgekröntem Dokumentarfilm. Kroske erzählt darin die Geschichte des mittlerweile gestorbenen Profiboxers Norbert Grupe, der als Prinz Wilhelm von Homburg eine der glamourösesten und umstrittensten Figuren des deutschen Boxsports war. Zugleich porträtiert Kroske das St. Pauli-Milieu der Sechziger- und Siebzigerjahre, als um den Boxring in den ersten Reihen noch Rotlicht-Größen statt der Promis aus dem Fernsehen saßen.

Vor der Kamera kommen Zuhälter, Ex-Boxer und Motorrad-Rocker zu Wort. Sentimental fabulieren sie von Männlichkeitsidealen, die schon damals so abgestanden gewesen sein müssen wie ein schaler Schluck Bier. Ausgetrunken haben sie trotzdem und sind heute stolz darauf. Auf den Suff und das Geld und die Prügeleien unter echten Männern – damals, als Zuhälter angeblich noch nette Menschen waren und auf die Verwendung von Messern nobel verzichteten.

Der Prinz von Homburg war Teil des Rotlicht-Milieus und war bei halbseidenen Geschäften dabei. Er dealte mit Drogen und saß dafür einige Jahre im Gefängnis. Zunächst arbeitete er als Catcher in den USA, boxte sich dann zu einigem Ruhm in Deutschland und hätte Europameister werden können. Doch im Titelkampf wurde er disqualifiziert – wegen eines Kopfstoßes. Noch Jahre später ist Grupe der Meinung, vom französischen Ringrichter nur aufgrund seiner deutschen Herkunft disqualifiziert worden zu sein. Wegen des Krieges und so. Schuld waren immer die anderen und so. Und der Ruhm hätte ihn sowieso nicht interessiert. Nur das Preisgeld – um es im nächsten Kampf auf die eigene Niederlage zu setzen und dann zu Boden zu gehen.

Neben dem Boxen versuchte Grupe sein Glück als Schauspieler, etwa als Zuhälter in Werner Herzogs „Stroszek“. In den USA durfte er manchmal den Hollywood-Bösewicht spielen. Kroske zeigt Grupe, fast 60-jährig, beim Schauspiel-Unterricht in Los Angeles. Verbissen probt er wieder einmal für eine Nebenrolle, natürlich als Bösewicht, und hofft immer noch, endlich im Film seines Lebens spielen zu dürfen. Es ist eine bittere Geschichte, die Kroske angenehm unspektakulär zeigt: von einer gescheiterten Suche nach dem Glück. Inszenieren konnte er sich für die Medien, der Boxprinz – nur übersah er dabei vor lauter Größenwahn, dass er ewig der Hofnarr bleiben würde.

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