Kultur : NEU AUF DVD

Karl Hafner

THRILLER Malastrana Regie: Aldo Lado, erschienen bei Koch Media. Schlimmster Albtraum: Der leblose Körper des amerikanischen Journalisten Gregory (Jean Sorin) wird ins Kühlhaus gefahren, obwohl sein Geist noch arbeitet. Die Ärzte haben ihn für tot erklärt. In Rückblenden, den letzten Zuckungen von Gregorys Bewusstsein, rekonstruiert Aldo Lados „Malastrana“ (1972), wie es zu dieser schrecklichen Situation kam.

Gregorys Freundin Maia (Barbara Bach) ist verschwunden, einfach so. Gregory ist zwar sofort von einem Verbrechen überzeugt, doch seine Kollegen – Mario Adorf als raubeiniger Reporter, der sich das Leben schöntrinkt, und Ingrid Thulin als ätherisches Redaktionsgespenst – halten das für die Einbildung eines Paranoikers, dabei wurden in letzter Zeit mehrere junge Frauen als vermisst gemeldet. Gregory ermittelt trotzdem und entdeckt eine finstere Verschwörung. Hinter den Fassaden eines Privatclubs halten die stocksteifen Eliten der Stadt mystische Rituale ab. Sie wollen das ewige Leben. Und dafür brauchen sie junge Frauen.

Lados Film wird zu den Gialli gezählt, zu den italienischen Exploitationfilmen der Sechziger- und Siebzigerjahre, deren Markenzeichen der maskierte Mörder mit den schwarzen Handschuhen wurde. Doch die genretypischen Gewalt- und Actionszenen fehlen hier. Stattdessen ist es gespenstisch ruhig. Die Stadt Prag gleicht einem Totenreich, bevölkert von Greisen, die mit versteinertem Gesichtsausdruck in die Kamera starren. In beinahe jeder Einstellung finden sich Zeichen des Niedergangs. Junge Menschen gibt es kaum – und wenn, dann stehen sie unter Drogen. Jürgen Drews als Hippie singt Lieder über Schmetterlinge, die gerne fliegen würden. Doch die paar Schmetterlinge sind alle aufgespießt.

Eine Geisterwelt: In diesem ungewöhnlichen Genrefilm spielt Lado zweifellos auch auf die Vorkommnisse des Prager Frühlings an. Und so wird Gregory, der Journalist aus Amerika, wie alle Idealisten in der Stadt zum Schweigen gebracht. Die Alten halten ihre schrecklichen Methoden der Machterhaltung geheim. Und wollen ewig so weitermachen – koste es, was es wolle.

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