Kultur : NEU AUF DVD

Sebastian Handke

GENRE Die letzte Rache Regie: Rainer Kirberg. monitorpop, 19.90 €. Auch das war mal Fernsehen. 1982 ließ das „Kleine Fernsehspiel“ des ZDF zwei Handvoll Studenten von der Kunstakademie Düsseldorf freie Hand und strahlte das Ergebnis sogar aus: „Die letzte Rache“ – ein futuristisch-antikes Drama mit Inzest, Intrige, Apokalypse. Dargeboten im Stil des deutschen Stummfilm-Expressionismus, in der Bildsprache eines Comic, zusammengesetzt nach russischer Montageschule. Shakespeareartige Monologe wechseln mit Song-Einlagen von „Der Plan“ (den Wegbereitern der Neuen Deutschen Welle). Noch was? Ein mad scientist, ein NoirKommissar, ein Gefangenenchor.

Erzählt wird die Geschichte vom Weltkenner (Erwin Leder). Der Herrscher (Gerhard Kittler) zweifelt an dessen Wissen und fordert ihn zum Spiel heraus: Er finde ihm einen Erben! In Frage kommen der Schöne, der Starke und der Kluge. Doch kaum gefunden, sind sie schon tot. Es bleibt, laut Orakel, nur der Gerissene. Das kann nur ich sein, glaubt der Weltkenner. Doch als er am Denkmal des Scheiterns zum Volk sprechen will, muss er erkennen: in Wahrheit geht es um eine ganz andere Intrige.

Regisseur Rainer Kirberg, heute als Künstler und als Autor für „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ tätig, und das Künstlerkollektiv „Anarchistische Gummizelle“ lassen die Illusionsebenen fließend ineinander übergehen: raffinierte „GlasShots“, kubistisch auseinanderdriftende Miniaturbauten und simpelste Ausstattertricks. Das Ergebnis aber ist keineswegs Trash, sondern eine erstaunlich konzentrierte Traumwelt – ein postapokalyptisches Figurendrama.

Als „Die letzte Rache“ 1982 erstmals ausgestrahlt wurde, empörte sich die Kritik über die „Plünderung der Filmgeschichte“: Mit dem deutschen Autorenfilm der 70er hatte dieses exzentrische Machwerk nichts mehr gemein. In Frankreich dagegen fühlte man sich an die visuelle Kraft von Fritz Langs „Metropolis“ und David Lynchs „Eraserhead“ erinnert. Heute denkt man an „Sin City“; verblüffend, was damals alles ohne digitale Hilfsmittel ging. Das Berliner Spezialitäten-Label monitorpop hat den Film jetzt aufgefrischt auf DVD herausgebracht – mit erhellender Kommentar-Tonspur (Kirberg und Kameramann Hans-Peter Böffgen): über die Wirkung von LSD auf den Kulissenbau, das Vortäuschen einer Menschenmenge mit Tipp-Ex auf Klarsichtfolie und das Glück einer unverhofften Kondensfahne.

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