Kultur : NEU AUF DVD

Christina Tilmann

FAMILIENDRAMA Zurück nach Dalarna!, Regie: Maria Blom, Kool Filmdistribution Man denkt an King Lear, unweigerlich. Drei Schwestern, in herzlicher Hassliebe verbunden. Die jüngste, Mia, Liebling des Vaters, hat sich längst aus dem Staub gemacht, weg aus der Landidylle von Dalarna, auf nach Stockholm, ein eigenes Leben leben. Nun kehrt sie zum 70. Geburtstag des Vaters zurück, und prompt eskalieren die alten Konflikte. Dass der Vater ihr sofort das schöne Seegrundstück schenkt, reizt die älteste Schwester Eivor zu Tränen und Aggression. Die mittlere schwärmt von Sex auf Bali. Und Mia selbst, erfolgreich im Job, dickes Auto, ständig klingelndes Handy, wirkt müder, unglücklicher, als ihr erfolgreiches Leben ihr eigentlich gestatten sollte.

Es wird viel getrunken, viel geweint und viel gekotzt in „Zurück nach Dalarna!“, der in Schweden im Jahr 2005 zu den erfolgreichsten Filmen des Landes zählte und in Deutschland im Kino unterging. Dabei strotzt er nur so vor schwarzem Humor. Originale, wo man hinschaut, vom melancholischen DorfDon-Juan, der sich nun neue Chancen auf die Single-Frau Mia ausrechnet, bis zum trinkfreudigen Onkel, der lieber auf Elchjagd geht, statt seiner Frau zu Hause zu helfen. Dass Maria Bloms so lustig beginnender Familienfilm noch einige Dramen in petto hat, ahnt man nicht erst, als der Onkel unkt: „Schon immer ist bei Geburtstagen Schreckliches passiert.“ Und schon ist ein Gewehr im Spiel, und ein alter Selbstmord ist immer noch nicht aufgeklärt, und nicht nur für Weihnachtsbäume und Katzen wird es gefährlich.

So drückend kann die Rückkehr in die Heimat sein, so eng das Leben mit den Eltern zuhaus. Dass Dalarna, kaum zwei Stunden von Stockholm entfernt, ein Traumland für viele Schweden ist, ein Urlaubsland mit Seen, Flüssen, Wasserfällen, sieht man kaum in diesem Film. Es ist Winter, Winter im Land, Winter in der Familie, und die Party, die die Schwestern für den Vater schmeißen, wirkt mehr als ärmlich und eskaliert fast sofort. Ein bisschen klingt Thomas Vinterbergs legendärer Dogma- Film „Das Fest“ mit an, während man ständig auf die schreckliche Enthüllung wartet, was die Schwestern denn nun eigentlich wirklich entzweit (siehe King Lear!).

Dabei ist das Schreckliche in Mias Familie nur der übliche Alltag, der dazu führt, dass man sich eher über die Torte in die Haare bekommt und erst zu spät merkt, dass man einander nie gesagt hat, dass man sich liebt. Desinteresse, Routine, Alltagsstress: Auch das kann eine Tragödie sein, und die Reue danach ist furchtbar. Aber keine Angst: So finster wie in Vinterbergs Film kommt es dann nicht, endet sogar in einer zarten Versöhnung. Und ist doch boshaft, schmerzhaft genug, um „Zurück nach Dalarna!“ zum erfrischenden Gegenmittel nach zu viel Weihnachtsharmonie zu machen. So lange der weiße Winter auf sich warten lässt und die Familienfeiern noch lebhaft in Erinnerung sind, kann man nur raten: Auf nach Dalarna!

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