Kultur : NEU AUF DVD

Christian Schröder

SIXTIES-SERIEN The Prisoner / Nummer 6 (Koch Media) . Die Shadoks (Normal/Indigo) . Die sechziger Jahre gelten gemeinhin als kuschelige Flowerpowerära. Sie waren aber auch eine Zeit, in der die Paranoia blühte. „Wo bin ich?“ – „Sie sind da“ – „Was wollen sie?“ – „Informationen“ – „Wer sind sie?“ – „Die neue Nummer 2“ – „Wer ist Nummer 1?“ – „Sie sind Nummer 6“ – „Ich bin keine Nummer, ich bin ein freier Mensch“ – „Ha, ha, ha!“ Die Serie „The Prisoner“, die der britische Sender ITV 1967/68 ausstrahlte, machte aus den Entfremdungsängsten der Epoche einen surrealen Witz. Ein Agent kündigt seinen Job beim Geheimdienst der Königin, rast im Lotus Seven nach Hause, packt den Koffer, wird mit einem durchs Schlüsselloch dampfenden Gas narkotisiert und wacht in „The Village“ wieder auf, einem Luxus-Gulag, in dem Kurkapellen ewig Marschmusik spielen und sich die Kühlschränke niemals leeren.

So beginnt jede der 17 Folgen, und niemals gelingt es der von Patrick McGoohan verkörperten „Nummer 6“, diesem Alptraum zu entkommen. Das „Village“ wird, Big Brother lässt grüßen, von einer stets unsichtbaren „Nummer 1“ regiert, die von Folge von Folge wechselnde „Nummer 2“ kann auf futuristischen Überwachungsmonitoren jeden Winkel überwachen. Der Terror operiert mit subtilen Methoden, beginnend mit allmorgendlichen „Guten Morgen, ein schöner Tag fängt an“-Durchsagen. McGoohan war durch die Agentenserie „Danger Man“ zum Star geworden, sein Fernsehruhm war so groß, dass er es zweimal ablehnen konnte, als James Bond ins Kino zu wechseln. Aber das Schönste an „The Prisoner“ ist das psychedelische Setdesign. Die unheilvoll sirrenden Ballons, die McGoohan immer wieder an der Flucht hindern, wirken wie die gigantisch aufgeblasenen Sitzkissen eines Sit-in.

„Es war vor sehr, sehr, sehr langer Zeit. Zu jener Zeit gab es den Himmel, Rechts von ihm befand sich der Planet Gibi, flach wie ein Brett. Links vom Himmel war der Planet Shadok, welcher keine bestimmte Form besaß.“ Die Zeichentrickreihe „Die Shadoks“, 1968 bis 1974 vom französischen Illustrator Jacques Rouxel produziert, verhohnepipelte in pseudowissenschaftlichem Märchenerzählertonfall das Bildungsfernsehen. Die Gibis und die Shadoks, das sind merkwürdige, in primitivistischem MiroStil gezeichnete Vögel, die nur die Silben Ga, Bu, Zo und Meu beherrschen, einander spinnefeind sind und in 7-Minuten-Episoden ihren Kampf um den „Supertreibstoff“ Cosmogol 999 aufs gesamte Universum ausdehnen. Ein großer Spaß.

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