Kultur : NEU AUF DVD

Nadine Lange

ESMAS GEHEIMNIS Regie: Jasmila Zbanic (goodmovies) Es war einer der bewegendsten Berlinale-Momente der Ära Kosslick: Regisseurin Jasmila Zbanic kommt im feuerroten Kleid auf die Bühne und nimmt von Jurypräsidentin Charlotte Rampling den Goldenen Bären für ihren Debütspielfilm „Grbavica“ entgegen. Anschließend fordert die Bosnierin in ihrer Dankesrede, dass die immer noch flüchtigen serbischen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic und Ratko Mladic endlich gefangen werden müssen – und verabschiedet sich mit einem sympathischen „Ich hoffe, der Bär ist nicht enttäuscht, wenn er Bosnien sieht“.

Wie es dem goldenen Tierchen in seiner neuen Heimat gefällt, ist nicht bekannt. Außer Frage steht, dass er in dem einen Jahr seit seinem Umzug einiges in dem zerrissenen Balkanland bewirkt hat. So nutzte Jasmila Zbanic die große Medienaufmerksamkeit für ihr Drama über die im serbisch-bosnischen Krieg vergewaltigte Esma und deren Tochter, um immer wieder auf die aktuelle Situation von Frauen mit ähnlichen Schicksalen hinzuweisen. In Kinos ließ sie Unterschriften sammeln und übergab sie dem bosnischen Parlament. Dieses verabschiedete tatsächlich sechs Monate später ein Gesetz, das die meist völlig verarmten Frauen als zivile Kriegsopfer anerkennt und ihnen eine Invalidenrente verspricht.

Von diesen Post-Berlinale-Ereignissen berichtet Jasmila Zbanic in einem 25-minütigen Interview, das der DVD zu „Esmas Geheimnis – Grbavica“ beigefügt ist. Zudem erfährt man von der Regisseurin, die hier ein weiteres Mal ihre Vorliebe für klotzige Hornbrillen demonstriert, wie es ist, in einem Land zu drehen, in dem es weder eine 35-Millimeter-Kamera noch ein Filmkopierwerk gibt, wie sie ihre fantastische Kinderdarstellerin Luna Mijovic gefunden hat und welche Rolle die Musik in ihrem Film spielt. Das Mutter-Tochter-Drama, das in ihrer Heimatstadt Sarajevo angesiedelt ist, lebt sehr stark von der emotionalen Dichte und Authentizität der Figuren, zu der offenbar auch ausgiebige Proben beigetragen haben.

Ebenfalls sehr aufschlussreich ist das Interview mit Hauptdarstellerin Mirjana Karanovic. Sie erklärt, dass es ihr unglaublich schwerfiel, sich die Erniedrigung von Esma vorzustellen. Wenn sie von ihren Gesprächen mit betroffenen Frauen berichtet, erinnert dies sofort an die bewegende Szene am Schluss des Films, als sie Esmas Geheimnis in Worte fasst. Und so spiegelt auch dieses kleine Bonus-Interview noch einmal, wie entscheidend der Film von der überragenden Leistung der größten Schauspielerin Ex-Jugoslawiens geprägt wird.

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