Kultur : NEU AUF DVD

Cristina Moles Kaupp

GENRE 8 1/2 Frauen, Regie: Peter Greenaway (Absolut Medien) All die verstrichenen Gelegenheiten und nicht gelebten Fantasien. Im Alter könnten sie mindestens ein zweites Leben füllen – je nach Naturell desjenigen, der plötzlich meint, etwas verpasst zu haben. Frauen und Sex. Die wildesten Fantasien wuchern im Kopf des Schweizer Millionärs Philip Emmenthal. Jetzt, da seine Frau gestorben ist, die er nie nackt gesehen haben will, brechen sich Gelüste ihre Bahn. Sein Sohn Storey hat ihn darauf gebracht, nach einer inzestuösen Nacht, die verblüffend unaufgeregt beginnt.

Im Heimkino genießen sie Fellinis Damenwahl in „Achteinhalb“ und lästern über Regisseure, die ihre sexuellen Fantasien in ihren Filmen ausleben. Keine Frage, in Philip Emmenthal hat Peter Greenaway einiges von sich versteckt. Einen Lebemann geschaffen, mit wachem Verstand und schwarzem Humor. „Warum einen Film machen, wenn man es leben kann?“, ist Philips Devise, und so gehen Vater und Sohn auf die Pirsch und sammeln Frauen für ihren Genfer Herrensitz, ein künftiges Privatbordell. Sie finden das Luxusluder aus Tokio, die eiskalte Geschäftsfrau, die ewig Schwangere, eine sündige Nonne, die wilde Frau nebst Hengst und Eber, die devote Zofe, ein überspanntes Porzellanpüppchen, die Dominante und jenes Wesen, dem die Beine fehlen und das daher nur als Halbes zählt. Greenaway wählt gängige Stereotypen, um das Wesen von Männerfantasien zu illustrieren. Deren Mechanik interessiert ihn, die zwangsläufig verschleißt. Degradiert zu Nummern, haben sich die Frauen längst verschwistert und spielen ihre Rollen so perfekt, dass sie die Männer schließlich überfordern.

Gedacht als Hommage an Fellini, fehlt „8 ½ Frauen“ jedoch dessen Sinnlichkeit. Greenaway schwelgt in einem Geflecht aus intellektuellen Bezügen zur Malerei, Literatur und zur Filmgeschichte, stets geschmackvoll in Farben und Design. Mal bebt es surreal, dann züngeln spitze Dialoge. Logik ist die Basis seines Humors, und das Ignorieren von Tabus. Doch die Obsessionen sind erkaltet, Greenaways Blick bleibt distanziert, Selbstzitate häufen sich. „8 ½ Frauen“, 1999 entstanden, zählt nicht zu seinen stärksten Filmen, vielleicht lief er deshalb noch nicht in deutschen Kinos. Für Fans lohnt sich die DVD trotzdem, denn im Booklet äußert sich der Regisseur, nach alphabetisch geordneten Stichworten. Weitere Beigaben sind etwas einfallslose Steckbriefe der 8 ½ Schönheiten und Ausschnitte aus Greenaways Frühwerk, das Absolut Medien ebenfalls auf DVD vertreibt.

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