Kultur : Neu erfunden - der Blues

H. P. Daniels

Zweimal den Blues bekam man am Montag in der Columbiahalle. Die Climax Blues Band ist eine uninspirierte Muckertruppe. Schlampig und seelenlos dreschen sie eine qualvolle Stunde lang alle erdenklichen Klischees aus, dass man verzweifeln könnte am Blues. Wären da nicht noch John Mayall and The Bluesbreakers, die sofort eine betörende Intimität herstellen und vorführen, dass man auch heute noch Blues spielen kann ohne angestaubt zu wirken. Mit langen grauen, zum Zopf gebundenen Haaren und im ärmellosen T-Shirt mit muskulösen Armen, steht im Zentrum der Bühne groß und drahtig, mit Pferdegebiss charmant lächelnd, aus freundlichen Augen blitzend, der 66jährige "Vater des britischen Blues" und bearbeitet mit offensichtlicher Begeisterung sein elektrisches Piano, krächzt trotz Fieber und schwerer Erkältung heiser, aber voller Leidenschaft. Und läßt die Mundharmonika flüstern, schreien, schmatzen. Mayall, aus dessen Bluesbreakers in den Sechziger Jahren illustre Leute wie Eric Clapton, Peter Green, Mick Taylor hervorgegangen sind, wird auch heute von nicht minder talentierten Mitstreitern flankiert: Bass und Schlagzeug bilden unaufdringlich und präzise das rhythmische Rückgrat für Mayall und seinen exzellenten Gitarristen Buddy Whittington. Der beherrscht meisterhaft die lauten und die leisen, die schnellen und die langsamen, aber auch die Kunst der nicht gespielten Töne. Blues und Boogie spielt dieses Quartett mit einem Elan, als wäre diese Musik gerade erst erfunden worden. Wobei die Songs vom neuen Album "Padlock on the blues" genauso lebendig klingen wie die magische Version des alten Hits "Room to move". Nach neunzig kurzweiligen Minuten rollt Mayall die Kabel ein, packt sein Piano in die Kiste, gibt noch ein paar Autogramme, winkt und geht. Beeindruckend!

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