Neue Brüsseler Messe „Fotofever“ : Fieberübung

Die neue Brüsseler Messe „Fotofever“ sucht noch nach ihrem Profil.

Stefan Kobel
Foto: Nunc Contemporary
Foto: Nunc Contemporary

„Fotofever“ heißt eine fast ganz neue Messe für Fotografie in Brüssel. Für die belgische Hauptstadt ist es tatsächlich die Premiere. Doch die Erstausgabe fand im vergangenen Jahr in Paris statt, parallel zur renommierten Paris Photo. Dort sei zum diesjährigen Termin die Location nicht zu haben gewesen, erklärt Messeleiterin Cécile Schall d'Aram. Brüssel sei allerdings kein Ausweichquartier, sondern von vornherein so geplant gewesen. Die beiden Veranstaltungen sollen sich nach ihrer Aussage hinreichend unterscheiden. Während in Frankreich in Abgrenzung zur großen Messe der Fokus auf außereuropäischen Lichtbildnern liege, sei man in Belgien dezidiert europäisch. Und vor allem zeitgenössisch. Das stimmt, und deshalb ist die Veranstaltung im ehemaligen Postbahnhof „Tour & Taxi“ nicht in allen Bereichen eine Augenweide.

Ein Start up in einem so schmalen Segment wie dem Markt für künstlerische Fotografie hat es natürlich nicht leicht, auf Anhieb eine ausreichende Anzahl guter Aussteller zu akquirieren. Mit 60 Galerien ist die Messe recht überschaubar, gleichwohl sind auch hiervon einige verzichtbar. Fingerübungen in Photoshop, primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale sowie Promi-Porträts scheinen der Vorstellung vieler Vermittler von Fotokunst zu entsprechen.

Jenseits dieser Deko gibt es dann aber Lichtblicke. Dazu zählt, neben der Antwerpener Galerie Nunc Contemporary mit Porträts von Hendrik Kerstens, die Gewinnerin des hauseigenen Fotoprize. Die 1986 geborene Polin Anna Orlowska schafft in ihren variantenreichen Arbeiten surreale Szenen, die zwischen Realität und Imagination oszillieren. Weitere Entdeckungen stammen ebenfalls eher aus dem Osten und Süden als aus dem westlichen Kulturraum. Bei der marokkanischen Galerie 127 wird der Stand von Fotografie dominiert, die sich auf eher ruhige Weise mit weiblicher Identität in der islamischen Welt auseinandersetzt. Eine verwandte Position vertritt mit der in Teheran lebenden Shari Ghadirian die Berliner Galerie Podbielski.

Auswärtige Galerien sind jedoch die Ausnahme. Jeweils knapp ein Drittel stammt aus Belgien und Frankreich. Aus Deutschland sind immerhin fünf angereist, darunter Jörk Rothamel (Erfurt), der mit neuen Großformaten von Hans- Christian Schink zu knapp 50 000 Euro mit die teuersten Werke zeigt. Wie fast alle Auswärtigen hat er in den ersten Tagen noch keine nennenswerten Umsätze zu vermelden. Die Besucherzahlen sind ebenfalls eher bescheiden. Dafür berichten die Aussteller unisono von Begegnungen mit interessanten und ihnen bislang unbekannten Sammlern. Wenn „Fotofever“ tatsächlich Kauffieber entzünden und sich wie geplant auf weitere Kontinente ausbreiten soll, müssen sich die Organisatoren noch etwas anstrengen. Stefan Kobel

Fotofever, Tour & Taxi, Brüssel; bis 7.10., www.fotofeverartfair.com

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