Kultur : Neue Filmreihe im Charlottenburger A-Trane

Maxi Sickert

Wer abends auf dem Weg ins Charlottenburger A-Trane ist, kann bereits durchs Fenster einen Blick auf die langgestreckte Bar werfen. Drinnen stehen wenige kleine Tische mit gepolsterten Stühlen direkt an der Bühne mit dem großen schwarz glänzenden Steinway-Flügel. Dann sind da Gesichter, Gläser, Stimmen, Lachen, Rauch. Und Fotos an den Wänden, denn das A-Trane ist ein Ort für viele Jazzbegegnungen. Jetzt kommt noch Film dazu. Jeden Freitag um eins, nach dem Konzert. Letzte Woche machte "Miles Davis Live in Montreux" den Anfang, heute setzt Charles Mingus die Jazzfilm-Reihe fort. Gezeigt wird "Triumph Of The Underdog" (von Don McGlynn/ 1998), in dem seltene Archivaufnahmen mit Aussagen von Musikern und Freunden zu einem sehr persönlichen Bild des 1979 verstorbenen Bassisten zusammengefügt werden. Der Titel ist angelehnt an die Mingus-Biographie "Beneath The Underdog", in der der in Watts/Los Angeles aufgewachsene Bassist, der von Art Tatum über Louis Armstrong, Duke Ellington und Charlie Parker bis George Adams mit allen wichtigen Jazzmusikern spielte, seinen Stolz und seinen Zorn darüber zum Ausdruck brachte, was es heißt, ein schwarzer Amerikaner zu sein. Das bluesorientierte eigenwillige Spiel des sperrigen Musikers war Soundtrack für den John Cassavetes Film "Shadows" (1961), für "Weird Nightmare" (1993) mit Elvis Costello und vor allem für "Shadows and Light" (1980) von Joni Mitchell, für den sie zusammen mit Mingus die Musik komponiert hat. Es war das letzte Projekt von Mingus vor seinem Tod. Don McGlynn zeigt in seinem Film auch, dass das Mingus-Erbe auch nach seinem Tod weitergeführt wird. Seine Witwe Sue Mingus leitet die Mingus Big Band, die wiederholt zum besten Jazz Live-Event New Yorks gewählt wurde und jeden Donnerstag im Time Café auftritt.

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