Kultur : Neue Lustgärten

Die Aura des Alltäglichen in den KUNST-WERKEN – und das Konterfei des Regierenden

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Das knallt. „Acryl auf Aluminium“ steht unverdächtig an den Arbeiten von Thomas Sauter, von den Gemälden wird man aber förmlich überrollt. Der Schweizer Künstler malt seine vielfarbigen Muster auf silberne Felgen, wie man sie vom Tuning kennt. Abstraktion in der Autowerkstatt? Tatsächlich findet der Kunstgriff des pattern painting längst überall statt und überzieht Stoffsitze der U-Bahn ebenso wie Hocker oder banale Tapeten.

Die expressive Arbeit drängt die benachbarte Installation von Sunah Choi erst einmal in den Hintergrund. „Lichtbahnen“ (2009) besteht aus zwei Papieren in Schwarz und Weiß, wie sie in Fotostudios Verwendung finden werden. Per Zufall bewegen sich die Bahnen hin und her und überlagern sich immer anders. Wenige Meter weiter Stühle aus Holz und Metall, die Juliane Solmsdorf unbrauchbar gemacht hat. „Neuer Lustgarten“ (2008/2009) heißt die Ansammlung funktionsloser Sitzmöbel, die so skulpturalen Charakter bekommen. Drei Arbeiten, ein Eindruck: In den Kunst-Werken in der Auguststraße führen Kunst und Alltag einen Dialog, werden die harten Gegensätze formuliert, denen man ausgesetzt ist, sobald man sein Atelier verlässt. Jeremy Shaws eindrucksvolle Videoinstallation „Best Minds Part One“ (2007) zeigt den Dancefloor eines Hardcore-Konzerts in Vancouver, auf dem eine kleine Gruppe von Fans wie in Trance tanzt. So brutal, dass es nach Schlägerei aussieht. Shaw hat die Filmbilder verlangsamt und mit Ambient unterlegt. So entsteht ein seltsames Ballett, choreografiert nach dem Willen des Künstlers.

Manche Beiträge entstanden vor Jahren, andere sind eben aus dem Atelier gekommen – wie die großen, collagehaften Gemälde von Anne Neukamp oder Alexandra Leykaufs wunderbare Reliefs aus Pappmachee. Aber alle beschäftigen sich intensiv mit dem Lapidaren als Ausdruck für größere Zusammenhänge, seien es die zerteilten Elektrogeräte, die der Norweger Yngve Holen zu „linker und rechter Hemisphäre“ erklärt. Oder Nina Beiers minimale Intervention, deren apricotfarbene Malerei die Wand hinter David Adamos Skulptur ziert und so tut, als gehöre sie dazu. Bloß der Beitrag der Berliner Projektsgalerie „after the butcher“ ist anders: Das Foto des Künstlerduos Clegg and Guttmann zeigt Klaus Wowereit, lebensgroß und in repräsentativer Pose. Stolz blickt der Initiator von „Based in Berlin“ durch den Raum. Und sieht – nichts. Denn die Galerie hat die Einladung zur Selbstdarstellung zwar angenommen, zeigt aber nur ein paar Requisiten für künftige Performances. In eine „Leistungsschau“ lässt man sich nicht einreihen. Christiane Meixner

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