• Neue Ministerinnen in neuen Ministerien: Stachlig bis in die Haarspitzen: Renate Künast - und was sie für das neue Amt qualifiziert

Kultur : Neue Ministerinnen in neuen Ministerien: Stachlig bis in die Haarspitzen: Renate Künast - und was sie für das neue Amt qualifiziert

Fatina Keilani

Zuletzt ging es ganz schnell mit der Karriere. Nur gut ein halbes Jahr nach ihrem Wechsel von der Berliner Landespolitik an die Spitze der grünen Bundespartei ist Renate Künast (45) jetzt Ministerin geworden. Sie übernimmt von Karl-Heinz Funke (SPD) das Landwirtschaftsressort. Damit bekommen die Bauern zum ersten Mal seit langem einen Minister, der nicht selbst Bauer ist.

So steil verlief die Karriere nicht immer - schließlich ist Renate Künast schon seit 21 Jahren politisch aktiv. In dieser Zeit hat sie viel Kärrnerarbeit geleistet und sich ihren Ruf erarbeitet: willensstark, zielstrebig, taktisch klug, aber hart in der Sache. Die Juristin, deren Rhetorik oft genauso stachlig ist wie ihre Frisur, hat als Fraktionsführerin im Berliner Abgeordnetenhaus schon mehrere christdemokratische Innensenatoren das Fürchten gelehrt und ist vom politischen Gegner dafür auch schon mal als "Giftspritze" geschmäht worden. Charme, Sensibilität, Geschmeidigkeit oder auch Humor sind nicht die Eigenschaften, die man spontan mit ihr verbinden würde. Doch mit ihrer Hartnäckigkeit ist Künast weit gekommen.

Sie lässt nicht locker

Ihre Eigenschaften und ihre Fachfremdheit könnten der Grünen-Politikerin jetzt helfen. An der mächtigen Bauernlobby sind viele Vorgänger wegen zu starker eigener Bindung gescheitert. Gerade das Fehlen dieser Bindung bei Künast werden die Landwirte als Gefahr für ihre Besitzstände fürchten. Und wer die neue Ministerin kennt, der weiß: Wenn sie etwas wirklich will, dann lässt sie auch nicht locker.

Durchsetzungsfähig war Renate Künast schon als Jugendliche. Aus einfachen Verhältnissen kommend, ertrotzte sie sich im Recklinghauser Elternhaus unter Geheule und Getrampel die Erlaubnis, statt der Haupt- die Realschule zu besuchen. Nach einem Fachhochschulstudium und zwei Jahren als Sozialarbeiterin im Gefängnis Berlin-Tegel hängte Künast noch ein Jurastudium dran. Sie trat 1979 der Berliner Alternativen Liste bei und zog 1985 ins Abgeordnetenhaus ein. Im selben Jahr legte sie auch das Zweite Juristische Staatsexamen ab und ließ sich in der Kanzlei des Parteifreundes Wolfgang Wieland als Anwältin nieder.

Auf ihrem neuen Ministerposten soll sich die Grüne, die der "pragmatischen Linken" zugerechnet wird, stärker um Verbraucherschutz und Ernährung kümmern. Auch wenn ihre juristischen Einsatzgebiete bislang eher im Staats- und Strafrecht angesiedelt waren, dürften Künasts Rechtskenntnisse ihr besonders bei Verbraucherthemen nützlich sein.

Als Juristin gefragt

Auch dank dieser Rechtskenntnisse und dank ihrer Erfahrungen mit rot-grünen Koalitionen war sie nach dem rot-grünen Wahlsieg 1998 in jene Verhandlungsgruppe berufen worden, die den Koalitionsvertrag aushandelte. Damals war sie als Justizministerin im Gespräch. Die Umstellung auf den neuen Themenkreis dürfte der passionierten Inline-Skaterin nicht schwer fallen. Erst kürzlich besuchte Künast einen Bioland-Hof in Brandenburg und warb für Bio-Fleisch.

Einem minimalen BSE-Risiko ist die neue Ministerin dennoch ausgesetzt: Sie hat eine Schwäche für Gummibärchen und kann beeindruckende Mengen davon verspeisen.

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