Kultur : Neue Miteigentümer bei Suhrkamp

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Schon wieder Veränderungen beim Suhrkamp Verlag: Nachdem kurz nach der Buchmesse der bisherige Pressesprecher Thomas Sparr zum stellvertretenden verlegerischen Leiter und der Edition-Suhrkamp-Lektor Raimund Fellinger zum Cheflektor ernannt worden waren, sind jetzt die Hamburger Unternehmer Hans Barlach und Claus Grossner als neue Eigentümer bei Suhrkamp miteingestiegen. Sie erwarben jene 29 Prozent, die bisher dem Schweizer Mäzen und Kunsterben Andreas Reinhart gehörten.

Reinhart begründet den Verkauf damit, dass er das „Herausmobben“ von leitenden Mitarbeitern und den Führungsstil von Unselds Witwe nicht länger habe ertragen können. Erst im Januar hatte der vom Münchner Verlag C.H. Beck für Marketing und Vertrieb eingekaufte Geschäftsführer Georg Rieppel den Verlag nach nur anderthalb Jahren verlassen. Ein halbes Jahr später musste Programmgeschäftsführer Rainer Weiss gehen – nach mehr als zwanzig Jahren in Suhrkampdiensten.

Die restlichen 71 Prozent Anteile des Verlages halten weiterhin die „Siegfried und Ulla Familienstiftung“, geleitet von der Unseld-Witwe Ulla Berkéwicz, mit 51 Prozent, sowie Unseld-Sohn Joachim mit 20 Prozent. Auch unverändert bleiben die 55-prozentigen Anteile der Familienstiftung an der dem Verlag übergeordneten Holding, die die Geschäftsführung einsetzt. Interessant wird sein, wie und ob der Investmentbanker Grossner und der Medieninvestor Barlach, Enkel des Bildhauers Ernst Barlach und Mitherausgeber der „Hamburger Morgenpost“, versuchen werden, Einfluss zu nehmen.

Bei Suhrkamp wurde man von dem Vorgang völlig überrascht. Reinharts Begründung für den Verkauf kann man dort naturgemäß nicht nachvollziehen. Der Verlag lasse jetzt juristisch prüfen, so Thomas Sparr zum Tagesspiegel, ob der Verkauf zulässig sei. Am Zuschnitt der Verlagskonstruktion mit der übergeordneten Holding würde sich aber nichts Grundlegendes ändern. Die Ankündigung der neuen Anteilseigner, sich „konstruktiv“ einbringen zu wollen, bezeichnete Sparr als „Akt der Heiterkeit“ und verwies darauf, dass Barlach und Grossner nur einen Minderheitenanteil besäßen. Tsp

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