Chipperfild nennt den Bau ein "rusty car", ein rostiges Auto

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Neue Nationalgalerie : So viel Mies wie möglich
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Die Neue Nationalgalerie, fotografiert an diesem Mittwoch. Nach der Sanierung soll der Bau genauso aussehen wie vorher.
Die Neue Nationalgalerie, fotografiert an diesem Mittwoch. Nach der Sanierung soll der Bau genauso aussehen wie vorher.Foto: Thilo Rückeis

Die Schäden an Mies van der Rohes singulärer transparenter Konstruktion sind enorm. Das hatten die Architekten des Chipperfield-Büros bereits bei einer Konferenz Ende November deutlich zum Ausdruck gebracht. Mit einem „rusty car“, einem rostigen Auto vergleicht der britische Star-Architekt das Haus. Und wie bei einem wertvollen Oldtimer sollen die Originalteile so weit wie möglich erhalten bleiben. Das betrifft zum Beispiel die Natursteinplatten der Terrasse und des Sockels werden gereinigt und gewartet, nur wenige seien zerstört, so die Architekten. Anders verhält es sich bei den Glasscheiben im Obergeschoss, diese werden nicht erhalten, zumal die meisten ohnehin nicht mehr aus der Entstehungszeit stammen. Hier besteht die Herausforderung in der Größe: Der weltweit einzige Hersteller, der Scheiben in der benötigten XXLGröße herstellen kann, sitzt in China. Er hat bereits eine Probe-Scheibe geschickt.

Die Neue Nationalgalerie ist ein junges Denkmal - und doch ist ihre Erhaltung kostspielig

„Die Sanierung ist gelungen, wenn man am Ende so wenig wie möglich sieht“, betont Hermann Parzinger. „So viel Mies wie möglich“ gelte es zu bewahren, schließlich handele es sich um eines der Hauptwerke im Schaffen des Architekten, das im Ausland noch mehr beachtet und bewundert würde als in Berlin. Die Neue Nationalgalerie ist ein junges Denkmal. Und doch ist ihre Erhaltung kostspielig – und knifflig.

Über die Beseitigung der baulichen und technischen Schäden hinaus soll das Gebäude funktional weiterentwickelt werden und doch bleiben, was es ist, ein graziler Tempel aus Säulen. Garderobe und Museumsshop, derzeit im Untergeschoss behelfsmäßig positioniert – teilweise blockieren sie Fluchtwege – finden einen neuen Platz, da wo sich Depots und Lagerflächen finden. Diese wiederum werden im Sockelbereich entlang der Potsdamer Straße und der Sigismundstraße neu angelegt. Durch diese Veschiebung wird der von Mies van der Rohe ursprünglich konzipierte Ausstellungsrundgang im Untergeschoss wiederhergestellt.

Auch soll der seitliche Anlieferungbereich für die Kunst wachsen, er ist für heutige Anforderungen zu klein geworden. Künftig wird er die bisherigen Traforäume des Gebäudes mit einschließen. Eine neu gestaltete Zufahrt erlaubt es dann, die Terrasse barrierefrei zu erreichen, die jetzigen Rampen sind zu steil. Und im gläsernen Obergeschoss wird ein Personenaufzug eingebaut.

Die Belüftungsanlage im Kellergeschoss ist zwar Maßarbeit, aber auch sie muss verbessert werden, ihre Kapazitäten reichen nicht mehr aus. Das Problem: Die Luftabfuhr liegt im Grundwasserbereich, was ihre Erneuerung aufwändig macht. Zudem sind die Grundleitungen im Boden nicht mehr dicht und müssen neu verlegt werden. Auch dort wird eine Absenkung des Grundwassers notwendig, die Bagger werden tief schaufeln.

Was geschieht als nächstes? Dieses Jahr wird das Gebäude geräumt, alle Natursteinfassaden, alle Böden und weiteren Gebäudeteile werden demontiert, Depots müssen gefunden, Schadstoffe beseitigt werden. 2016 wird dann der eigentlich Rohbau saniert: Hier liegen Eisenstäbe an der Oberfläche, der Beton platzt hinter dem Naturstein ab. Das riesige Stahldach, ein Denkmal für sich, ist dagegen in recht gutem Zustand. Es ist stabil wie ein Brückenbau.

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