Kultur : Neue Schläuche

ROBERT GERNHARDT

1986 schrieb ich ein Gedicht, das "Auch eine Ästhetik" betitelt war und mit folgenden Zeilen begann

Gefragt, was er eigentlich wolle, sagte er: / Will nicht das Theater erneuern./ Habe dergleichen auch niemals erwogen./ Weiß nämlich gar nichts vom alten Theater./ Kann also gar kein Theater erneuern.

Diese Unwissenheit dauert an, was zur Folge hat, daß ich zum Jungen Theater nichts zu sagen habe, außer der abschließenden Bemerkung, daß ich allen Begriffen mißtraue, die durch ein vorangestelltes "Neu" oder "Jung" den Eindruck zu erwecken suchen, da werde in den neuetikettierten Schläuchen auch wirklich neuer Wein verkauft: Das Junge Deutschland, die Neue Sachlichkeit, der Junge deutsche Film, Das Neue Deutschland, die Jungen Wilden, die Neue Frankfurter Schule, das Junge Theater, die Neue Unübersichtlichkeit usw.usf.

Robert Gernhardt (Jahrgang 1937) lebt als Karikaturist, Lyriker und Dramatiker in Berlin.Die Frage stellten die Berliner Festspiele mit Blick auf die Festwochen, die am1.September beginnen.Der Tagesspiegel druckt einen Teil der Antworten.

Nächste Folge: Klaus Völker

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben