Neue Spielzeit : Thalia Theater thematisiert Fremdheit

Das renommierte Hamburger Thalia Theater setzt sich im zukünftigen Spielplan mit der Verfremdung der eigenen Person auseinander.

Hamburg - Das Hamburger Thalia Theater unter Intendant Ulrich Khuon setzt in der kommenden Saison 2007/2008 die Analyse gesellschaftlicher Zustände fort. Hieß es in dieser Spielzeit "Was hält die Gesellschaft zusammen?" lautet das Motto der kommenden Saison "Die Fremdheit im Eigenen". "Dabei geht es um Figuren, die sich positiv in die Gesellschaft einbringen wollen, aber dann den eigenen Forderungen nicht nachkommen können", sagte Khuon, der 2009 ans Deutsche Theater nach Berlin wechselt. Mit mehr als 200.000 Zuschauern bis Ende März sei das Theater auch in der Saison 2006/2007 wirtschaftlich erfolgreich gewesen. Für das künstlerische Renommee der Bühne sprechen die zahlreichen Gastspiel- Einladungen, unter anderem gleich drei zum Berliner Theatertreffen.

Auch Shakespeare ist im Spielplan zu finden

Eröffnet wird die Saison 2007/2008 mit dem Euripides-Drama "Iphigenie". Regie führt Nicolas Stemann, dessen Inszenierung von Elfriede Jelineks Königinnen-Drama "Ulrike Maria Stuart" das Berliner Theatertreffen eröffnet. Die erste von drei Uraufführungen, "Die Beissfrequenz der Kettenhunde", stammt von Andreas Marber, Regie führt Stephan Kimmig. Für das Auftragswerk hat der Autor in einem Hamburger Mittelstandsunternehmen recherchiert. "Es handelt sich um eine bittere Komödie über die Globalisierung und wie wir unseren Reichtum auf dem Rücken der Entwicklungsländer austragen", sagte Dramaturgin Sonja Anders. Auch die Shakespeare Komödie "Maß für Maß" (Regie: Stefan Bachmann) handele von der "barbarischen Natur des Menschen", die auf allen Ebenen zu Tage trete.

Nach Thomas Manns "Buddenbrooks" wird Autor John von Düffel in diesem Jahr Theodor Storms "Der Schimmelreiter" für die Bühne bearbeiten. Auch in Tennessee Williams "Endstation Sehnsucht" (Regie: Stephan Kimmig) kämpfen die Figuren um ihre Würde. Andreas Kriegenburg, der wie Kimmig 2009/2010 mit Intendant Khuon ans Deutsche Theater Berlin geht, inszeniert Tschechows "Onkel Wanja" und ein neues Stück der Autorin Dea Loher mit dem Titel "Diebe". Der langjährige Thalia-Regisseur und Anwärter auf die Khuon- Nachfolge, Michael Thalheimer, inszeniert Shakespeares "Hamlet". (tso/dpa)

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