Kultur : Neuer Berliner Kunstverein als Sprungbrett für den Nachwuchs

Elfi Kreis

Die "Genthiner Elf" ist eine Insideradresse. Dabei zeigt die Galerie seit September 1997 regelmäßig Ausstellungen. Der nichtkommerzielle Kunstort bietet Nachwuchs ein Sprungbrett, gibt stadtbekannten Künstlern wie Ter Hell, Albert Pümpel oder Wilmar Koenig ein Forum. Manch einer war darunter, der in Berlin lange von der Bildfläche verschwunden schien, weil es an Chancen zur Präsentation mangelte.

Jeder Künstler bestimmt in Eigenregie seine Schau. Bis auf die Einladungskarte trägt er keine Kosten. In Härtefällen wird auch sie finanziert. Beim Verkauf eines Werkes kassiert niemand Provision. Dahinter steht Mäzenatentum der alten Schule. Initiator ist der Rechtsanwalt und Kunstsammler Jörg Fricke, der damit dem Vorbild des verstorbenen Berliner Sammlers Manne Stober folgt. Geeignete Räume bot die ehemalige Poststelle des Wissenschaftsverlags Walther de Gruyter, der die Galerie indirekt durch günstige Mietkonditionen fördert. Fricke finanzierte den Umbau und trägt die laufenden Kosten, unterstützt von der Anwaltskanzlei Conrad und Weber. Um die Künstlerförderung auszubauen, wurde "Genthiner Elf" kürzlich in einen Kunstverein umgewandelt. Vorerst trägt er den Zusatz i. G. (in Gründung), bis der Eintrag ins Vereinsregister erfolgt. Dann sollen Begleitkataloge publiziert, Folgeausstellungen vermittelt und eines Tages womöglich sogar Ateliers bereitgestellt werden.

Die laufende Ausstellung ermöglicht eine Wiederbegegnung mit Jean-Yves Klein, der im Grenzbereich zur Abstraktion arbeitet und die Nähe zur Gegenständlichkeit sucht. Der 1960 in Montreal geborene Kanadier studierte an der Ecole des Beaux-Arts in Paris, war an der HdK Meisterschüler von Engelmann. Brunett in Köln sowie Raab, Hesselbach und Berinson in Berlin zeigten seine Bilder; in den letzten beiden Jahren gab es keine Ausstellung mehr von ihm zu sehen. Klein geht es um Malerei als Malerei. Auf vielschichtige Malgründe setzt er nun propellerhafte, gewächsähnliche Gebilde. Dabei entsteht ein all over, ein tapetenhaft dekoratives bis widerborstiges Ornament. Klein erweist sich darin als delikater Kolorist. Seit einigen Jahren hat er ein Zweitatelier auf dem Peleponnes, um die allgegenwärtigen Feigenkakteen zu malen und darüber "einen neuen Weg in die Malerei zu finden". "Der poetische Zufall" kam ihm zur Hilfe. Der Künstler entdeckte im farbverschmierten Abdeckmaterial des Atelierbodens eine Möglichkeit, seine flügelartigen Blattformen im Abklatschverfahren auf die Leinwand zu bringen. Nicht nur die eigene Handschrift wird neutralisiert, es gibt auch keine epigonenhafte Handschrift mehr. "Ich will diese Elemente als Provokation in die Malerei einführen", so Klein. "Dann kann die Reibung beginnen."Kunstverein "Genthiner Elf", Genthiner Str. 11, bis 26. März; Sonnabend, Sonntag 17-20 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. 6124440.

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