Neuer Berliner Kunstverein : Wie riecht die Macht?

Der Luca Vitone zeigt im Neuen Berliner Kunstverein in seiner Ausstellung "Imperium" eine olfaktorische Skulptur. Und er hat Staub gesammelt, zum Beispiel im Bundestag.

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Luca Vitone, Räume, 2014. Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein 2014
Luca Vitone, Räume, 2014. Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein 2014Foto: Neuer Berliner Kunstverein / Jens Ziehe

Das Imperium riecht metallisch und ein bisschen muffig. Das eine vielleicht wegen der vielen Waffen, die so ein Imperium über die Zeiten verschleißt. Und das andere, weil die Idee vom Weltreich schon ein paar Jahrtausende alt ist.

„Imperium“ heißt aber nicht allein die aktuelle Ausstellung von Luca Vitone im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.). Auch der zusammen mit einem Parfumeur kreierte Duft, der durch die Räume weht, trägt den verheißungsvollen Namen. Als olfaktorische Skulptur legt er sich um den Besucher, kriecht ihm in die Nase und verbreitet den „Geruch der Macht“. Dazu passen die Porträts des 1964 in Genua geborenen Künstlers. Man muss jedoch erst den ganzen, umgebauten Kunstverein durchqueren, um die vier repräsentativen Formate an der letzten Wand zu sehen. In der Größe von Historienbildern und edel gerahmt, zeigen sie Pergamonmuseum, die Deutsche Bundesbank, den Bundestag und den Bundesgerichtshof: vier Staubaquarelle mit grauen, monochromen Flächen.

Diese Spuren haben die vier Institutionen selbst hinterlassen. Vitone, der unter anderem im vergangenen Jahr auf der Biennale in Venedig vertreten war, ist mit dem Besen unterwegs gewesen, um den Staub in den Gebäuden zu sammeln. Mit ihm hat er seine Aquarelle gemalt, die das Unwesentlichste ins visuelle Zentrum rücken. Die Bundesbank scheint der sauberste Ort von allen, mehr lässt sich auf den ersten Blick nicht aus den feinen, grauen Oberflächen lesen. Eher sind das abstrakte, konzeptuelle Porträts, in denen sich zivilisatorische Spuren verdichten – obwohl vor allem die politischen Einrichtungen stets den Eindruck vermitteln, dass in ihnen das Subjektive, Individuelle nichts zu suchen hat.

Die Ausstellung ist trotz der raren Exponate großartig inszeniert. So erinnert der leere Vorraum an Plätze vor antiken Gebäuden, die ihre Wirkung dank solcher Freiflächen noch einmal steigerten. Und Imperium bezeichnete im antiken Rom ursprünglich jene Amtsgewalt, die von Beamten ausging – womit Vitone die Jahrhunderte locker durchquert und auf die Bürokratie zu allen Zeiten Bezug nimmt. Ganz in der Gegenwart ist schließlich die Arbeit der Berliner Künstlerin Katharina Grosse im ersten Stock des Kunstvereins: ein raffinierter Digitaldruck, der Raum und Farbe vortäuscht.
Neuer Berliner Kunstverein, Chausseestr. 128/129, bis 9.11., Di–So 12–18 Uhr Do 12–20 Uhr

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