Kultur : Neuer CDU-Generalsekretär: Abwarten und nach Berlin fahren

Christoph Schmidt Lunau

Roland Koch versteht es, selbst Solidaritätsadressen so zu formulieren, dass sie ins Mark treffen. Eine "gewisse Führungsstärke" attestiert der hessische CDU-Chef der Bundesvorsitzenden nach deren überraschendem Coup. Angela Merkel habe das "gut gemacht", sagt Koch Dienstag. Doch er selbst hatte sie davon abgehalten, bei der Rochade von Polenz zu Meyer einen schweren taktischen Fehler zu begehen. Koch riet ihr im Präsidium mit Nachdruck, den ursprünglichen Plan fallen zu lassen, und den neuen General nicht erst in zwei Wochen, sondern postwendend zu nominieren.

Am Ende lobt Koch die Entscheidung als "Zeichen der Entschlossenheit" - unausgesprochen klingt an, dass ein solches Signal dringend nötig war, nach der Debatte um Merz und das strategische Desaster im Bundesrat bei der Abstimmung zur Steuerreform. Roland Koch zwingt sich, die mitunter hilflosen Operationen der Unions-Führungsspitze zurückhaltend zu kommentieren. Ihn zieht es allerdings immer häufiger nach Berlin. Im Rausch des überraschenden Wahlsiegs Anfang 1999 rechneten seine Vertrauten vor, spätestens 2006 werde der Kanzlerkandidat der Union Roland Koch heißen. "Wenn er jetzt bloß nicht die eigenen Schwierigkeiten am Hals hätte!", stöhnten die Seinen, als Schäubles Rücktritt die Union in eine Führungskrise stürzte. Dass der 42-Jährige damals lieber einen Mittfünfziger, wie Volker Rühe, an der Spitze gesehen hätte, war damals ein offenes Geheimnis. Doch wenn er jetzt Geschlossenheit anmahnt, meint er das ernst. "Nur eine Partei, die sich selbst imponiert, kann anderen imponieren", so beschreibt er dem Tagesspiegel die wichtigste Aufgabe des neuen Generals.

Der bisherige Auftritt von Laurenz Meyer passt in Roland Kochs Vorstellung von einem guten Oppositionspolitiker: Aggressiv, die Zuspitzung suchend, risikobereit. Wie Meyer hat Koch Untersuchungsausschüsse genutzt, um den Regierungsparteien zuzusetzen. Auch Meyer zögerte nicht, ein Tabu zu verletzten, als er den amtierenden Bundespräsidenten in der Flugaffäre angriff. Koch suchte in Hessen die Entscheidung mit einem Tabubruch, in dem er gegen die Reform des Ausländerrechts mit einer Unterschriftenkampagne mobil machte. Dass der neue Generalsekretär bei seiner Präsentation zu Protokoll gab, im Zweifel zum Telefon greifen zu wollen, wertet der hessische Landesvorsitzende als gutes Zeichen; er erwarte, dass Merkel, Merz und Meyer in enger Abstimmung handeln.

Dass der neue Generalsekretär sein Freund sei, wird nicht behauptet. Meyer hatte angesichts von Kochs Rolle im Schwarzgeldskandal der Hessen-CDU Rücktrittsforderungen angedeutet. Meyers "verklausulierte" Äußerungen von damals, hört man heute in Kochs Umgebung, würden das Verhältnis nicht belasten: "Sie kennen sich kaum, aber das wird sich sicher ändern."

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