Kultur : Neuer Markt: Positionen

Gerhard Schmid

Mehr Disziplin
Warum der Mobilcom-Chef für drastische Maßnahmen plädiert
Von Gerhard Schmid

Die aktuelle Situation am Neuen Markt ist für uns nicht zufrieden stellend. Die Deutsche Börse und die Banken haben Emissionserlöse vor Sorgfalt gesetzt und so die hausgemachten Skandale in diesem Segment provoziert. Es kann nicht sein, dass ein Unternehmen drei Monate nach dem Börsengang bereits die Zahlen nach unten korrigiert. Anlegervertrauen wird so systematisch zerstört. Solide Unternehmen wie Mobilcom werden geschädigt, Millionen von Aktionären um ihr Geld gebracht.

Zum Thema Online Spezial: New Economy Es ist an der Zeit, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Pennystocks mit geringer Marktkapitalisierung und gesunde Wachstumsunternehmen gehören nicht in einen Topf. Die Einführung eines Premium-Segments - beispielsweise eines Nemax 20 - würde eine klare Abgrenzung schaffen. Umgekehrt würde ein Segment für Start-ups eine kritische Einschätzung fördern. Ebenso ist die Disziplin der Unternehmen zu erhöhen: So sollten nicht eingehaltene Meldevorschriften und falsche Ad-hoc-Mitteilungen hart bestraft werden. Das Betreuer-Konzept der Banken bedarf der Überarbeitung. Die Schwachstellen sind bekannt. Ein deutliches Signal und harte Regeln sind gefragt, um den Neuen Markt auf Dauer zu stärken. Die Deutsche Börse muss jetzt handeln, sonst ist das Vertrauen der Anleger dahin.
Der Autor ist Chef von Mobilcom.

Mehr Glaubwürdigkeit
Warum der Fondsmanager für strikte Anwendung der Regeln ist
Von Christoph Bruns

Viele Aktien am Neuen Markt enttäuschten die Erwartungen und sind unter die Marke von einem Euro gerutscht. Sollen diese Aktien das Börsenparkett verlassen? Die Antwortet lautet: Ja. Die Regeln der US-Technologiebörse Nasdaq sind ein gutes Vorbild. Wenn Aktien an 30 aufeinander folgenden Tagen unter einem Dollar notieren und der Wert der breit gestreuten Aktien fünf Millionen Dollar unterschreitet, müssen sie den Börsenplatz räumen. Allein 2000 wurde 200 von 4500 US-Gesellschaften die Börsennotiz entzogen. Zudem sollten Vorstände, wenn sie sich von ihren Aktien trennen, dies nicht erst nachträglich melden.

Weitere Regulierungen sind nicht notwendig. Vielmehr gilt es, die bestehenden Regeln zu überwachen und Verstöße mit angemessenen Strafen zu ahnden. Wenn Manager wissentlich falsche Informationen streuen und Aktien zu überhöhten Preisen verkaufen, sollte der Millionengewinn eingezogen und eine Strafe verhängt werden. Mit ihren Informationen sollten die Manager den Gewinn nach allen Kosten offen legen und nicht trickreich wichtige Kostenblöcke verstecken. Beschönigende Ad-hoc-Mitteilungen und unvollständige Informationen beschädigen nicht nur die Glaubwürdigkeit der einzelnen Gesellschaft, sondern auch das Vertrauen in die Börse. Die Faustformel "20, 20, 2" ist eine gute Richtschnur. Wer nicht mindestens 20 Millionen Euro umsetzt, keine 20 Festangestellten beschäftigt und nicht seit 2 Jahren profitabel arbeitet, sollte (noch) nicht an die Börse gehen.
Der Autor ist Leiter des Aktienfondsmanagements der Union Investment.

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