Kultur : Neues Konzept für umstrittene Berliner RAF-Ausstellung

-

Die für Montag vorgesehene Sondersitzung der Gemeinsamen Kommission des Hauptstadtkulturfonds ist auf Bitten von Kulturstaatsministerin Christina Weiss abgesagt worden. Bei dieser Sitzung sollte erneut über die Förderung der ursprünglich für November 2003 geplanten Ausstellung zur RAF beraten werden. Das Ausstellungsvorhaben war in der Öffentlichkeit heftig kritisiert worden, da es geeignet sei, der Verharmlosung und Romantisierung des Terrorismus Vorschub zu leisten.

Grund für die Absage der Sondersitzung ist die Einreichung eines überarbeiteten Konzepts seitens der KunstWerke Berlin. Darin werden Versäumnisse „insbesondere in der Kommunikation mit den Angehörigen der Opfer der RAF“ eingeräumt. Zugleich aber wird in dem neunseitigen Papiere beklagt, „dass die Kunst, der eigentliche Ausgangspunkt der Ausstellung, in der ursprünglich geplanten Form des Projektes nicht mehr zu ihrem Recht kommen kann“. Durch die Debatte sei die geplante Ausstellung „zu einer ,staatsrelevanten’ Angelegenheit geworden“. Daher sei man „zu dem Schluss gekommen, dass eine Re-Orientierung notwendig und wichtig“ sei: „Die Kunst muss bei dieser Ausstellung im Mittelpunkt stehen.“

Staatsministerin Weiss erklärte, das neue Konzept bedürfe „einer intensiven Prüfung im Rahmen des üblichen Verfahrens“. Damit sei in der Sache eine neue Situation entstanden. Das überarbeitete Konzept soll als neuer Antrag behandelt werden. Welche Konsequenz das für die bereits bewilligte Fördersumme von 100000 Euro hat, ist derzeit noch unklar.

Berlins Kultursenator Thomas Flierl ließ unterdessen wissen, dass er das präzisierte Konzept für „fundiert“ halte. Er werde den Beirat und die Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds, Adrienne Goehler, bitten , „ein Votum zu erstellen und vorzulegen“.

„Das mache ich jetzt“, bestätigte Goehler den Fortgang des Verfahrens gegenüber dem Tagesspiegel. Die Ausstellung müsse sich „aus der babylonischen Gefangenschaft der Politik befreien“, sagte Goehler. Die öffentliche Diskussion habe gezeigt, wie wichtig das Thema sei. Doch könne eine Kunstausstellung die angemahnte Versöhnung mit den Angehörigen der RAF-Opfer nicht leisten. Sie müsse an anderer Stelle vorangetrieben werden. BS/KM

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben