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Neues Kulturgutschutzgesetz : Monika Grütters weist Kritik zurück

Monike Grütters hat die scharfe Kritik am geplanten Kulturgutschutzgesetz zurückgewiesen. "Schutz" hieße in ihren Augen nicht "Enteignung."

Helfer hängen Gemälde von Georg Baselitz in einem Museum ab. Foto: Oliver Killig / dpa
Und weg waren sie: in deutschen Museen verschwinden die Leihgaben von Georg Baselitz.Foto: Oliver Killig / dpa

Beim heutigen Pressegespräch wollte Kulturstaatsministerin Monika Grütters zu der Kritik Stellung nehmen, die in der letzten Woche immer heftiger wurde. Es geht um das von ihr geplante Gesetz zum Schutz von Kulturgütern. Die Aufregung darüber hat Grütters jetzt zurückgewiesen. Derzeit kursiere durch Indiskretionen nur ein noch nicht endgültiger Referentenentwurf, erklärte die CDU-Politikerin in Berlin. Ziel sei die Bewahrung von national wertvollen Kunstwerken. „Schutz heißt in meinen Augen nicht Enteignung“, betonte sie.
Die geplante Verschärfung der Vorschriften hatte bei Künstlern, Galeristen und Sammlern einen Sturm der Empörung ausgelöst. Nach dem Künstler Georg Baselitz kündigte auch die Enkelin des Malers Max Beckmann (1884-1950) an, ihre Leihgaben aus deutschen Museen zurückzuziehen, wie sie Grütters schrieb. Günther Uecker erwägte nach Angaben der Tageszeitung „Die Welt“ ebenfalls einen solchen Schritt.

Mit dem Gesetz will die Bundesregierung den Schutz von Kunstwerken neu regeln und an EU-Recht anpassen. Unter anderem sollen die Ausfuhrbedingungen verschärft werden. Danach sei vorgesehen, dass Leihgaben nach fünf Jahren automatisch „Nationales Kulturgut“ würden, kritisierte die Künstler-Enkelin Mayen Beckmann. Die Werke seien damit nicht mehr frei auf dem internationalen Markt verkäuflich. Um die „Inhaftnahme“ des Familienvermögens zu verhindern, sehe sie sich zur Kündigung der Leihverträge gezwungen, schrieb sie. Betroffen ist das Leipziger Kunstmuseum.

Ein Sprecher von Grütters nannte die Sorge unbegründet. Der Gesetzentwurf sehe vor, dass Leihgeber ihre Werke von dieser Regelung ausnehmen lassen könnten. Der Bundestag hat noch nicht über das Gesetz beraten.

Gerhard Richter wartet noch ab

Der deutsche Starkünstler Gerhard Richter zeigte Verständnis für die Kritiker. „Niemand hat das Recht mir vorzuschreiben, was ich mit meinen Bildern mache“, sagte er der „Dresdner Morgenpost“. Er könne Baselitz gut verstehen. „Ich würde es genauso machen wie er: die Bilder aus den Museen holen, schnellstens auf den Markt bringen und verkloppen.“ Richter wartet derzeit noch ab, ob der Gesetzentwurf auch so beschlossen wird.

Mehrere deutsche Museen bereiteten unterdes die Rückgabe von Baselitz-Werken vor. Im Dresdner Albertinum sollen bereits am Freitag zehn Arbeiten aus der Ausstellung genommen werden, wie eine Sprecherin der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) am Dienstag sagte. In der Münchner Pinakothek und den Kunstsammlungen Chemnitz gibt es noch keine Termine.

In Dresden sind die Gemälde und eine Holzskulptur noch bis einschließlich Donnerstag zu sehen, ehe der Baselitz-Raum aufgelöst wird. Dazu gehören mit fünf Porträts auch die ersten auf dem Kopf stehenden Bilder aus den späten 1960er Jahren von dem aus Sachsen stammenden Künstler.

Die Pinakothek der Moderne in München verliert fünf Werke, darunter drei „Helden“-Bilder aus den 1960er Jahren. Wann sie zurückgehen, stehe noch nicht fest, sagte eine Sprecherin. Auch in Chemnitz sind die beiden Baselitz-Leihgaben vorerst weiter zu sehen. „Es gibt noch keinen Abholtermin“, sagte Kunstsammlungsdirektorin Ingrid Mössinger.

Provenienzforscher Willi A. Korte hält die Aufregung für "überzogen"

Sie sprach von einer Hiobsbotschaft. Es sei bedrohlich, wenn Sammler über solche Schritte nachdächten und das Beispiel Schule machen sollte. Da Baselitz ihr aber versichert habe, dass sein Ärger nichts mit den Kunstsammlungen zu tun habe, hofft sie wie die Dresdner Kollegen auf die Zukunft. Seine Aktion mache zumindest auf einen Dissens über das Gesetz aufmerksam, von dem sie nur Berichte in den Medien kenne. „So, wie es da steht, kann es nicht bleiben“, sagte sie mit Verweis auf eine zunehmende Bürokratisierung.

Der Provenienzforscher Willi A. Korte indes hält die Aufregung um das Gesetz für „überzogen“. Sie solle kaschieren, dass die wahren Bedenken des Kunsthandels wohl vor allem bei der Einfuhr zu sehen seien, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Mehr Sorgfaltspflicht passe dem Kunsthandel nicht. Allerdings könnten Ausfuhrbestimmungen zum Schutz nationalen Kulturguts von staatlicher Seite missbraucht werden, um Restitutionsforderungen zu umgehen. „Die Definition, was national wertvolles Kulturgut ist und was also ausgeführt werden kann zu welchen Bedingungen, das muss in der Tat sauber geregelt werden.“ (dpa)

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