Kultur : Neugier ist eine Zier

F. H.

Manchmal finden Revolutionen nur aufgrund widriger Umstände statt: Weil sich der Intendant der Berliner Philharmoniker, Franz Xaver Ohnesorg, quer stellte, müssen die Berliner Festwochen diesmal ohne ihr musikalisches Rückgrat auskommen. Zwar bemühten sich sowohl Festspiel-Intendant Joachim Sartorius als auch sein Musikchef, André Hebbelinck, bei der Präsentation der Festwochen 2002 die Sache herunterzuspielen - doch hier lauert ein Skandal. Durch die Moderation Sir Simon Rattles hofft man, 2004 zur Zusammenarbeit zurückkehren zu können. So lange müssen die Festwochenbesucher sehr tapfer sein - und sehr experimentierfreudig. Aus der Not hat Hebbelinck eine Tugend gemacht und die Festwochen zur internationalen Freihandelszone ausgerufen (2003 wird es dann wieder ein General-Thema geben: Moskau - Berlin). Vom 30. August bis 13. November kommen Ensembles aus allen Kulturkreisen sowie "die bedeutendsten Nachwuchsdirigenten" in die Stadt, es gibt zehn Uraufführungen. Zudem wird der Komponist Stefan Wolpe (1902 - 72) wiederentdeckt. Im Bereich der performing arts, die künftig gleichberechtigt neben der Musik stehen sollen, setzt man Akzente mit dem tunesischen Regisseur Fadhel Jaibi, William Forsythe und Produktionen aus dem Mittelmeerraum. Das Festwochen-Magazin, das am 23. Mai der "Zeit" sowie am 22. 8. dem Tagesspiegel beliegen wird, gestaltete die für den Preis der Nationalgalerie nominierte Künstlerin Tacita Dean. Wer sich durch das üppige Design arbeitet, sollte stets die Worte des Intendanten Sartorius vor sich hin murmeln: "Also ich bin unheimlich neugierig."

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