• Neun fälschlich zugeordnete Bilder der Indiziensammlung sorgen für umfangreiche Debatte

Kultur : Neun fälschlich zugeordnete Bilder der Indiziensammlung sorgen für umfangreiche Debatte

Caroline Fetscher

Niemand möchte ein williger Helfer Hitlers gewesen sein. Allenfalls ein unwilliger, möglichst aber gar keiner. Seit die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht 1941 - 1944" in der Bundesrepublik auf Tournee ging, haben nicht nur 700.000 Menschen die Bilder und Texte zu den Gräueltaten deutscher Soldaten gesehen. Es haben auch Tausende als dubiose Bilderstürmer dagegen protestiert - auf den Straßen, in Springerstiefeln, vom Schreibtisch aus, als Historiker, die das "verzerrte" Image der nationalsozialistischen Armee "zurechtrücken" wollten.

Wie ein Refrain klingt der Satz, den die Macher der Ausstellung wiederholten: Es werde keineswegs behauptet, dass die gesamte Wehrmacht an Verbrechen beteiligt war, jedoch müsse auch der Mythos aufgelöst werden, dass allein die Täter der SS sich willig und freiwillig an Schandtaten und Mord beteiligt haben.

Über 700 Bilder und zahlreiche decouvrierende Textdokumente belegen dieses Faktum. Der Historiker Bogdan Musial hat nun nachweislich neun darunter entdeckt, die fälschlich in die Indiziensammlung gelangt sind. Neun Bilder: Auch beim skeptischsten Betrachter kann das an der Grundaussage der Ausstellung kein Jota ändern. Absurd wäre es, anzunehmen, die Ausstellung hätte aus Beweismangel auf dieses Material zurückgegriffen, um ihre "Geschichtsklitterung" zu untermauern. Das hätte sie nicht nötig. Vielmehr ist es ja umgekehrt: Material gibt es in erschreckender Fülle. Dabei müssen wir überdies annehmen, dass viele Dokumente beseitigt wurden - man denke nur an die privaten Fotoalben der ehemaligen Soldaten, in denen Reste ausgerissener Bilder die Beweisvernichtung belegen. Viele Verbrechen wurden ausserdem nie dokumentiert und nicht erzählt, nicht einmal an den Stammtischen der fünfziger und sechziger Jahre.

Bogdan Musial nun möchte "die komplexe historische Materie klären" anstatt "eine vorgefasste Meinung zu bestätigen". Schon seit Monaten weist er auf die unrichtige Zuordnung einiger Bilder hin. Nichts spricht dagegen, dass ein Historiker Randkorrekturen an der soliden Arbeit anderer Historiker vornimmt. Vieles aber spricht gegen die Geschmacklosigkeit, mit der etwa die FAZ auf ihrer ersten Seite breit den Nachweis "gravierender Fehler" präsentiert. Das wirkt wie der Versuch, mit der Lupe entdeckte Flecken auf Großleinwand zu projizieren. Hofft man dabei auf das Prinzip semper aliquid haeret - irgendwas bleibt immer hängen?

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