Neutöner in Netz : Klassik auf Youtube

Vielleicht wird Youtube die Zukunft der klassischen Musik doch stärker beeinflussen, als wir heute noch annehmen. Der Komponist Bernhard Gander und die Dirigentin Susanna Mälkki jedenfalls sind im Netz längst zu Hause.

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Bisher galten jüngere Komponisten schon als „angesagt“ oder „hoch gehandelt“, wenn sie sich geschickt von Förderpreis zu Förderpreis hangelten und dazu noch einige schwurbelig-wohlwollende Pressestimmen bei Spezialistenfestivals sammelten. Doch das Internet hat keine Schubladen – weswegen der Lackmustest für die Mindestpopularität eines Komponisten bald darin bestehen wird, die eigenen Kompositionen auf dem Videoportal dem ungefilterten Urteil der Netzgemeinde auszusetzen.

Der 1969 geborene Neutöner Bernhard Gander hat den Youtube-Test erfolgreich bestanden: „This shit is good!!!!“, urteilt einer der Kommentatoren treffend über Ganders deftige Klangfarbenfantasien. Welche Reaktionen die Musik des bekennenden Punk-, Horrorfilm- und Schönbergfans aber in der realen Welt der Konzertsäle auslösen werden, das wird sich am 3. Mai zeigen: Dann nämlich wird das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin mit „Dirty Angel“ (einem Doppelkonzert für die aparte Besetzung aus Flügelhorn, Akkordeon und Orchester) eine der neuesten Schöpfungen des Tirolers in Berlin erstaufführen.

Wer sich nicht auf die Stimmen aus dem Netz verlassen will, darf sich bei dem Werk (das nach dem Willen des Komponisten zusammen mit Strawinskys Petruschka erklingt) aber auch auf das Votum von Susanna Mälkki verlassen: Die erfolgreiche finnische Dirigentin, deren Youtube-Videos längst tausendfach angeklickt werden, hält Ganders schmutzigen Götterboten jedenfalls für attraktiv genug, um mit ihm ihr Debüt beim DSO zu wagen.

Philharmonie, Mo 3.5., 20 Uhr (Einführung: 18.55 Uhr), 15-44 €.

Bernhard Gander bei Youtube

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