Kultur : Newton für Berlin

CHRISTINA TILMANN

Gegenüber der Sammlung Berggruen im östlichen Stülerbau bald eine Sammlung Newton? Verführerische Idee, nicht nur für den Bezirk Charlottenburg, der nach Wegzug des Ägyptischen Museums auf die Museumsinsel auf einen seiner Publikumsmagneten wird verzichten müssen.Die Möglichkeit, zwei gebürtige Berliner, die von den Nazis vertrieben wurden, an so exponierter Stelle und mit so exquisiten Sammlungen gegenüberstellen zu können, wäre ein großer Gewinn für die Kunstszene Berlins.Und eine Chance, das bislang unterrepräsentierte Segment Fotografie im Kreis der Berliner Kunstmuseen aufzuwerten.

Helmut Newton, mit dem der Galerist Rudolf Kicken am Wochenende in Köln über die Museumspläne sprach, zeigte sich nicht grundsätzlich abgeneigt, Berlin seine Sammlung leihweise zu überlassen.Der in Monte Carlo lebende Fotokünstler, der im Jahr 2000 zu seinem 80.Geburtstag mit einer großen Ausstellung in Berlin geehrt werden soll, ist "Berliner mit ganzem Herzen", wie er Kicken versicherte, und oft und gern in der Stadt.Gespräche mit der Stadt hätten allerdings noch nicht stattgefunden, betonte Kicken.Auch andere Städte wie Paris, dem Newton ebenfalls freundschaftlich verbunden ist, seien an der Sammlung interessiert."Nachmittags beim Tee läßt sich von manchen träumen", charakterisierte Kicken den derzeitigen Stand der Planung.

Ein Bericht der "FAZ" letzte Woche hat die Diskussion neu entfacht: Sollte das Ägyptische Museum tatsächlich schon im Herbst 1999 auf die Museumsinsel umziehen, würde im östlichen Stülerbau schneller als erwartet Platz für ein "Museum der Fotografie".Die Pläne für ein solches Museum sind nach Christoffer Richartz, Außenamtsleiter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, allerdings "noch in einem sehr frühen Stadium": Man führe gerade Vorverhandlungen.Die Idee eines Fotomuseums für Berlin ist nicht neu: Seit zehn Jahren verfolgt Wolf-Dieter Dube, Generaldirektor der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, diesen Plan, um die Fotosammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin angemessen konservieren und präsentieren zu können.Insbesondere das Preußische Bildarchiv, die ethnologischen Fotografien des Museums für Völkerkunde und die Kunstbibliothek, die derzeit mit ihrer Eugène-Atget-Ausstellung eine kleine Neuentdeckung feiert, verfügen über reiche Schätze, die es zu heben gilt.

Zustimmung findet Dubes Idee schon jetzt auf allen Seiten.Jörn Merkert, Leiter der Berlinischen Galerie, denkt zwar nicht daran, die Bestände der Fotografischen Sammlung seines Hauses dem künftigen Museum zu überantworten: "Die Fotografische Sammlung aus der Berlinischen Galerie herauszulösen, hieße, das interdisziplinäre Konzept der Galerie in Frage stellen", erklärt Pressesprecher Jörg Fidorra auf Nachfrage.Merkert habe aber schon immer ein nationales Fotomuseum gefordert und sei insofern sehr für Dubes Pläne: "Die beiden Sammlungen könnten eine fruchtbare Ergänzung bilden." Auch das Land Berlin, das als Eigentümer des Stülerbaus bei den Verhandlungen entscheidend mitreden wird, signalisiert Zustimmung.Es habe auch schon erste Gespräche gegeben, sagt Kulturverwaltungssprecher Wallrabenstein.Zunächst aber sei die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gefragt.

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