Nezaket Ekici in der Konrad-Adenauer-Stiftung : Ein Stachel im Fleisch

Warm, leidenschaftlich, humorvoll: Die Performancekünstlerin Nezaket Ekici zeigt Videostills und Fotoarbeiten in der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Inga Barthels
Nezaket Ekicis Arbeit „Daydream Mumbai“, (2015).
Nezaket Ekicis Arbeit „Daydream Mumbai“, (2015).Foto: Sidharth Patnaik

Heller Marmor, Zylinder aus Sichtbeton, hohe weiße Wände. Der Eingangsbereich der Konrad-Adenauer-Stiftung ist mit einem Wort zu beschreiben: kalt. Derzeit aber hängen an einer dieser Wände bunte Fotografien. Die Bilder zeigen die Performancekünstlerin Nezaket Ekici – verkleidet als Kaktus im Blumentopf, eingerieben mit Erde, oder kniend in einem Haufen Fleisch. Ekicis Kunst ist humorvoll, leidenschaftlich, warm.

Es sind Stills ihrer Performances, die im Rahmen der neuen Reihe „EinWand“ im Foyer der Stiftung Einblick in das vielseitige Werk Ekicis geben. Die deutschtürkische Künstlerin beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit beiden Kulturen, mit Tradition, Klischees und Widersprüchen.

Für „Flesh (No Pig but Pork)“ etwa wühlt die muslimische Künstlerin in 100 Kilo Fleisch eines frisch geschlachteten Schweins, in „Thorn in My Side“ trägt sie ein mit Zahnstochern bedecktes Stachelkleid und stellt Bilder der christlichen Ikonografie nach. Und für „Atropos“ schneidet sie Strähne für Strähne ihres Haars, das mit Fäden an der Decke befestigt ist – als Akt der Befreiung des Selbst.

Dialog der Kulturen

Ekicis Versuch, mit ihrer Kunst zum Dialog zwischen den Kulturen anzuregen, gelingt nicht immer. Erst letztes Jahr inszenierte die Künstlerin eine Installation vor dem Dresdner Landgericht – eine Art Eingangsportal, bestehend aus drei Dutzend aufgehängten Orientteppichen. Damit wollte Ekici der Ägypterin Marwa El-Sherbini gedenken, die 2009 im eben diesem Gerichtsgebäude aus islamfeindlichen Motiven niedergestochen worden war. Das Ergebnis waren neun Attacken: Immer wieder wurden Teppiche beschädigt oder besprüht, unter anderem mit „Scheiß Islam“.

Damit, dass Ekici jetzt das „EinWand“-Projekt als erste mit Leben füllt, will die Konrad-Adenauer-Stiftung auch ein Zeichen gegen den Dresdner Vandalismus setzen. Stiftungs-Kulturleiter Hans-Jörg Clement verantwortet die Reihe und das Trustee Programm EHF 2010, das Künstler finanziell unterstützt. So gibt „EinWand“ ehemaligen Stipendiaten nacheinander die Möglichkeit, die Wand künstlerisch zu bespielen.

Namensgeberin des Programms ist die 1993 verstorbene Else Heiliger, die ihr Vermögen der CDU-nahen Stiftung zwecks Förderung bedürftiger Künstler vermachte. Nezaket Ekici kehrt mit ihrer Schau zurück zu ihren Anfängen und ihrem frühen Förderer Clement: Bereits 2002 war die einstige Meisterschülerin von Marina Abramovic Stipendiatin des EHF. Heute zählt sie zu den erfolgreichsten Performancekünstlerinnen der Welt.

Konrad-Adenauer-Stiftung Berlin, Klingelhöferstr. 23, bis 31. März 2017

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