Kultur : Ni hao!

Schleswig-Holstein klingt 2012 chinesisch.

„Ni hao!“ heißt „Guten Tag“ auf Chinesisch. Diese Begrüßung wird man oft hören im kommenden Sommer in Schleswig-Holstein: Denn das dortige Musikfestival hat das „Reich der Mitte“ zum Länderschwerpunkt 2012 erkoren. Im zweiten Anlauf hat es geklappt. Eigentlich wollte Intendant Rolf Beck schon 2010 den Blick gen Fernost richten, doch die Verhandlungen mit China gestalteten sich unerwartet schwierig, so dass Polen als thematischer Lückenbüßer einspringen musste. Mit Hilfe des schleswig-holsteinischen Kulturministers Ekkehard Klug, der von der FDP kommt und darum einen guten Draht ins hauptstädtische Außenministerium hat, lässt sich der ehrgeizige China-Schwerpunkt nun realisieren. Denn Guido Westerwelles Amt steuert für den kommenden Sommer einmalig einen Zuschuss von 300 000 Euro bei. Die Chinesen selber werden für einen Teil der erheblichen Reisekosten aufkommen.

Besonders aufwendig ist natürlich das obligatorische Gastspiel einer Peking-Oper, deren Dekorationen in Containern auf dem Seeweg nach Norddeutschland verschifft werden. Tan Dun, berühmt als Komponist des „Tiger and Dragon“- Soundtracks, wird eigene Werke dirigieren, die aus China stammende Dirigentin Xian Zhang erarbeitet mit der Chorakademie des Festivals Puccinis Oper „Turandot“. Zusammen mit dem Konservatorium in Peking hat man den Kompositionswettbewerb „ConTempo“ ins Leben gerufen: Junge Komponistinnen und Komponisten aus beiden Ländern können Ensemble-Stücke mit gemischter europäisch-chinesischer Instrumentalbesetzung einreichen. Die Gewinnerwerke werden dann vom Ensemble Modern gemeinsam mit den Partnern aus Peking uraufgeführt.

Ob auch Lang Lang, zweifellos der bekannteste aller chinesischen Künstler, 2012 mit von der Partie sein wird, will Intendant Beck noch nicht verraten. Offiziell wird das Programm erst im März präsentiert. Der chinesische Virtuose ist dem Festival allerdings eng verbunden: Schon 2002, als ihn noch kaum einer kannte, wurde er mit dem allerersten Bernstein-Preis des Festivals ausgezeichnet. Da darf man wohl auf die Loyalität des Mediendarlings setzen.

Obwohl das älteste der deutschen Flächenfestivals laut einer aktuellen Studie jeden Sommer einen wirtschaftlichen Effekt von 6,67 Millionen Euro für Schleswig-Holstein generiert, wurde Beck und sein Team in jüngster Zeit von der Landesregierung äußerst rüde behandelt. Im Doppelhaushalt des Landes für 2011/12 wurde der staatliche Zuschuss um 500 000 Euro gekürzt, das Festival musste daraufhin seine Notfallrücklagen komplett aufbrauchen. Gerade einmal 1,2 Millionen Euro werden 2012 noch aus Kiel in den 7,75-Millionen-Etat des Festivals fließen. Zum Glück sind die Sponsoren dem Festival treu: Rund 130 Geldgeber aus der Privatwirtschaft unterstützen die sommerliche Versorgung des Landes mit klassischer Musik. Und auch mit dem Publikum kann Rolf Beck rechnen: 85 Prozent seiner Besucher seien Stammkunden. Frederik Hanssen

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