Nicht OHNE meinen. . . : Gewürzrevolver

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Wenn einer eine Reise tut, dann nimmt er ein paar Sachen mit, auf die er nicht verzichten mag. Kleine Sommer-Serie über das Rüstzeug des mobilen Menschen.

Es gibt Dinge, mit denen man sich besser nicht in der Öffentlichkeit erwischen lässt. Welche Häme schlug über Guido Westerwelle zusammen, als er bei seinem Istanbul-Besuch mit einem Sonnenbrillen-Aufsatz gesehen wurde! Peinlich! Spießig! Rentnerhaft! Nicht viel besser ist es, mit einem Gewürzrevolver in den Urlaub zu fahren, dieser nachfüllbaren Plastedose mit separat verschließbaren Streukammern für Salz, Pfeffer & Co.

Nun gibt es elegantere Sonnenschutzmodelle als jenen vom Außenminister favorisierten Brillenaufstecker, dessen eingebauter Hochklappmechanismus einen hässlichen Höcker über dem Nasenrücken bildet. Den dezenten Überzieher mit der nahezu unsichtbaren Halterung beispielsweise, der dem Autor dieser Zeilen viele Jahre treu die kurzsichtigen Augen schirmte, bevor er just am letzten Tag des diesjährigen Urlaubs materialermüdet seinen Dienst quittierte. Der Optiker lachte nur kurz auf, als er das Malheur sah – und riet zu einer Sonnenbrille mit geschliffenen Gläsern.

Da berührt sich die Sehhilfen- mit der Gewürzrevolver-Frage: Warum zwei Brillen für unterschiedliche Wetterlagen mitschleppen – und doppelte Verlustgefahr riskieren –, wenn es auch eine aufrüstbare tut? Warum in jeder Ferienwohnung wieder aufs Neue Zucker, Salz, Pfeffer und diverse Kräuter kaufen, wenn sich auch vor Reiseantritt Kleinportionen aus eigenen Vorräten abfüllen lassen? Sicher, man kann sich auch im Ausland eindecken und das erworbene Streu-Gut großzügig den Nachmietern hinterlassen – doch wer weiß, ob nicht eine eifrige Putzfrau die kaum angebrochenen Packungen radikal entsorgt?

Wie so oft steckt hinter dem vermeintlich Sparsamen also lediglich ein besonnener Umgang mit Naturressourcen. Darum hier der Aufruf an alle Gewürzrevolverhelden: Haltet dem Hohn der Masse stand, schützt weiter die Umwelt! Und scheut euch nicht, eine Prise Heimat in die Fremde mitzunehmen. Frischen Knoblauch könnt ihr dann ja immer noch vor Ort kaufen.

Bisher sind erschienen: Rucksack (12.7.), Taschenmesser (15.7.), Sonnenbrille (18.7.), Bauchtäschchen (20. 7.), Sonnenhut (23. 7.), Kompass (26.7.), Adapter (28.7.), Sprizz (2.8.) und Havaianas (6.8.). Als Nächstes: die Badehose.

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