Nils Landgren bei Young Euro Classic : Wilde Schweden

Beim Festival Young Euro Classic im Admiralspalast gab es Jubel für den Jazzer Nils Landgren und das Kammerorchester O/Modernt.

Tomasz Kurianowicz
Jazz meets Classic. Nils Landgren zu Gast im Admiralspalast. Foto: Kai Bienert
Jazz meets Classic. Nils Landgren zu Gast im Admiralspalast.Foto: Kai Bienert

Der Admiralspalast ist ausverkauft, als O/Modernt, das Kammerorchester aus Schweden, bei Young Euro Classic die Bühne betritt. Die jungen Musiker tauchen aus dem Dunkeln hervor und fangen mit leiser schwedischer Volksmusik an, die sich in ein furioses Fortissimo steigert. Der ganze Abend ist starken Kontrasten gewidmet: lautem Bersten, zartem Streicheln und halsbrecherischer Akrobatik, wie bei Benjamins Britten „Variationen über ein Thema von Frank Bridge“. Die Streicher nehmen ihre Instrumente wie Gitarren in die Hände, um inbrünstig und wild auf den Saiten schrammeln zu können. Nun glaubt man fast, sich auf ein Rock-Konzert verirrt zu haben. Aber so soll es ja sein! Immerhin steht der heutige Abend unter dem Motto „Jazz meets Classic“.

Jetzt gesellen sich die Agnas Brothers dazu, vier junge Brüder und Jazzmusiker aus Schweden, und Nils Landgren, einer der besten Jazzposaunisten Europas. Sein Markenzeichen ist die rote Posaune, die er mal mit zarter Zuneigung, mal mit knarziger Grobheit bespielt. Unfassbar, was für Töne er seinem Instrument entlockt! Das merkt man vor allem bei einem spontanen Solo, das er vor „Eternal Beauty“, einer seiner selbstkomponierten Balladen, vorführt. Landgren hat seine Noten vergessen, jemand muss sie schnell aus der Garderobe holen. Also lässt er die Wartezeit mit kongenialen Improvisationen verstreichen, die das ganze Spektrum musikalischer Kreativität umfassen. Das Publikum kann sich kaum halten und will jetzt schon eine Zugabe. „Aber wir sind doch noch gar nicht fertig“, scherzt Landgren.

Es stehen noch Astor Piazzollas „Sommer“ und „Winter“ auf dem Programm. Hier kann sich Hugo Ticciati, Geiger und Konzertmeister von O/Modernt, hemmungslos austoben und sein Griffbrett wie einen Kletterbaum bearbeiten. In alle Richtungen schnellen seine Finger – und doch verliert sein Klang nie an Ausdrucksstärke oder Präzision. Ganz klar, Ticciati ist einer der ganz Großen von morgen. Das weiß auch Landgren. Er sieht sich selbst nur als Begleitung, verschwindet immer wieder im Hintergrund, um den jungen Musikern die ganze Bühne zu schenken. Das Publikum will immer noch mehr und applaudiert entfesselt.

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