Kultur : Nina Hoss erhielt für ihre Hauptrolle in Montreal den Preis als beste Darstellerin

Kerstin Decker

Emigrant Sein. Ein Entronnener. Ein Heimatloser. Ein befreiter Unbefreiter. Verlierer? Gewinner? Alles zugleich. Des Menschen Wesen ist sein Schicksal, hatte Walter Benjamin gesagt. Er starb in Port Bou an der spanischen Grenze. Mehr noch an sich selbst wohl als an der wirklichen Gefahr. Andere wachsen unaufhörlich, egal ob zu Hause oder in der Fremde. Alles macht sie stärker. - Klaus Mann kannte die Euphorien und Nachttiefen der Emigration, die die einen vernichtet und die anderen stärker macht. Die Kämpferischen werden kämpferischer, die Traurigen trauriger, die Ausweglosen auswegloser. Klaus Mann wußte das, er gehörte zu allen dreien und zu den letzten vielleicht am meisten. Im Gegensatz zu seiner Schwester.

Ist Marion von Kammer aus seinem Roman "Der Vulkan" das Porträt Erika Manns? Nina Hoss, die junge DT-Schauspielerin, bekanntgeworden als "Das Mädchen Rosemarie", erhielt für ihre Hauptrolle in dieser Klaus-Mann-Verfilmung in Montreal den Preis als beste Darstellerin. Fürwahr, sie ist ein Vulkan - nur seltsam kalt in ihrem spröden Aktivismus. Soviel Unermüdlichkeit und Kämpfertum, nichts könnte entmutigender sein. Und wie sie Hollaender singt - mit großer Stimme, doch so metallisch klar. Ohne Schmerz. Spielt Nina Hoss Marion von Kammer, oder ist sie es?

Und Ottokar Runzes Film selbst? Auch er kein Vulkan. Hier bricht nichts aus. Wir spüren nicht einmal die Hitze. Jedes Rumoren - wenn der Film sich zu sich selbst befreien will - ist gleich wieder stillgestellt im unerbittlichen Fortgang. Dem "Vulkan" haftet etwa Schematisches an, das er nie hinter sich läßt. Selbst Figuren wie Udo Samels Professor Benjamin Abel - der geborene Nichtkämpfer, der zum Widerständler wird - die vielleicht anrührendste Figur überhaupt, selbst er läßt den "Vulkan" nur momentweise Atem holen. Oder Meret Becker als Tilly von Kammer in ihrer verzweiflungsvollen Notliebe zu Hans (Sylvester Groth). Ein gewaltsam verschlossener Vulkan ist dieser Film. Befreiung liegt im Strömen-lassen. Im Sich-Verströmen der Präzision. Runze (zuletzt "Hundert Jahre Brecht") hätte es wissen können.Im Filmkunst 66 und im Scala

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