Kultur : NINA HOSS

Rüdiger Schaper

Böse, böse, was Oskar Roehler in den „Elementarteilchen“ mit ihr anstellt. Nina Hoss als esoterische Superschlampe im Cabrio. Kürzlich ging ein Foto durch die Presse, mit einer blonden Sonnenbrillenfrau im offenen Wagen ... nein, das war Kate Moss, und am Steuer saß ihr Freund Pete, auf dem Weg zum nächsten Crash. Cool. Ein Wort, ohne den kein Text über Nina Hoss auskommt. Aber grundfalsch. War sie kühl, kalt, cool in Christian Petzolds „Wolfsburg“-Film, mit schwarzen Haaren? Sie verliebt sich in einen Mann, der ihr Kind auf dem Gewissen hat, und rächt sich. Auch wenn – im Sprichwort – die Rache am besten kalt schmeckt: So ein Allerweltsadjektiv passt nicht zu ihr. Sie ist eine Schauspielerin, die einem Angst macht. Diese Art, wie sie schweigt. Wie die Augen wandern unter der hohen Stirn. Wie sie in die Ferne schaut, ins Leere, in sich hinein. Dorthin, wo ein Mann nicht mehr versteht.

Nina Hoss hat eine kostbare Begabung. Ihre Medea am Deutschen Theater Berlin, in der Regie von Barbara Frey, lässt ahnen, was das einmal war, Tragödie. Das Unvorstellbare. Das Unerträgliche, Elementare.

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