Kultur : NINA KUNZENDORF

Joachim Huber

Nina Kunzendorf? Fragende Gesichter. Hat so eine Ulrike-Folkerts-Physiognomie mit kurzen, schwarzen Haaren und dieser burschikosen Kontur von weiblicher Schönheit. Nina Kunzendorf spielt immer in den Filmen mit, die Preise abräumen: „Stauffenberg“, Dominik Grafs „Der scharlachrote Engel“, „Marias letzte Reise“. Widerständler-Ehefrau, Vergewaltigte, Krankenschwester. Die Schauspielerin ist schwer zu erinnern, ihre Figuren sind es nicht. Und jede Figur ist wieder eine andere. Eine unheimliche Frau. Welch ein Abstand liegt zwischen dem „Scharlachroten Engel“, so verführerisch und so abstoßend, so abschätzig und so gebrochen, der vieles, aber kein bloßes Opfer sein will, und der Krankenschwester in „Marias letzter Reise“, einer Rolle mit allerhöchstem Kitschalarm. Nicht so bei der Kunzendorf: eine Art erwachsene Polly Patent, große Privatheit, Sparsamkeit in der Geste, eine Seele wird besichtigt. Vielleicht sind es die Close-ups, mit denen uns diese Künstlerin verliebt macht. Das ist auch gelernt, an den Münchner Kammerspielen. Der Zuschauer kann in diese Spielräume hineingehen, die Nina Kunzendorf entwirft. Ihr Gesicht ist jener Teil von dem Ganzen, das ein gefährliches Labyrinth sein kann.

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