Nina Stemme und Daniel Barenboim : Im Reich der Nacht

Frühling, Flieder, schwarze Rosen: Nina Stemme singt Lieder im Schillertheater, begleitet von Daniel Barenboim

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Nina Stemme als Isolde (mit Robert Dean Smith als Tristan) in Bayreuth 2005.
Nina Stemme als Isolde (mit Robert Dean Smith als Tristan) in Bayreuth 2005.Foto: dpa

Dass ihre Liebe grün sei wie der Fliederbusch, nimmt man einer Isolde schwerlich ab. Nina Stemme ist nun ganz Isolde, reife Persönlichkeit, Tragödin mit vollem Timbre des hochdramatischen Soprans. 2005/06 hat sie mit der Rolle in Bayreuth Furore gemacht, die sie auch 2016 an der Deutschen Oper Berlin wiederholen wird. Das jauchzende Lied von Brahms jedoch hätte wohl eher in den Frühling ihrer Karriere gepasst, will sagen die der damaligen Mozart-Interpretin.

Ihr Liederabend im Schillertheater, den Daniel Barenboim als getreuer musikalischer Chef der Staatsoper am Klavier begleitet, bezaubert die Fans in seiner Steigerungsform. Recht monochrom klingt die abgedunkelte Stimme noch mit kleinen Intonationsproblemen in einer Brahms-Gruppe, um sich mit den Wesendonck-Liedern in ihr Reich vorzutasten: Richard Wagner. Dass dies auch Barenboims Musik ist, der die schwebenden Harmonien kundig auskostet, spannt den Zyklus unter einen Bogen. Zumal die Studien zu „Tristan und Isolde“ von der Sängerin feinfühlig an der Dichtung von Mathilde Wesendonck orientiert werden: „Schwere Tropfen seh ich schweben an der Blätter grünem Saum“ mit besonderer Färbung des letzten Tons.

Fällt der Name Nadia Boulanger, so ist fast nur von ihren berühmten Schülern die Rede, darunter Aaron Copland oder Jean Français. Dass die Pädagogin selbst komponiert hat, ist in Vergessenheit geraten. Nina Stemme intoniert einige Lieder von ihr, die Kompositionswissenschaft mit romantischer Aura vereinen. Boulangers Technik gebiert auch die charmante Szene: „Der Flieder ist verrückt.“ In schwedischen Liedern von Sibelius ist Stemme so souverän, dass keine Höhenprobleme mehr auffallen. Die traurige Ballade „Mädchen kam vom Stelldichein“ singt sie unpathetisch rezitierend. Dann aber die Zugabe „Schwarze Rosen“: Hier ist subjektives Pathos erlaubt und weitet sich aus in Stemmes Gesang, wenn die Musik ins Fortissimo ausbricht: „Denn Trauer trägt nachtschwarze Rosen.“ Publikumseroberung.

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