Nirvanas „Nevermind“ wird 20 : Smells like Klassiker

Ein letztes Spiel mit den Mythen des Rocks: Vor zwanzig Jahren erschien Nirvanas epochales Album „Nevermind“. Ein Portrait einer Band, die mit ihren Werken Musikgeschichte schrieb.

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Die drei von der Grungestelle. Dave Grohl, Kurt Cobain und Krist Novoselic waren Nirvana. Vor zwanzig Jahren erschien ihr epochales Album „Nevermind“. Für viele Fans war die Band der ultimative Begleiter auf dem schweren Weg ins Erwachsenendasein.Alle Bilder anzeigen
Foto: Universal
22.09.2011 13:08Die drei von der Grungestelle. Dave Grohl, Kurt Cobain und Krist Novoselic waren Nirvana. Vor zwanzig Jahren erschien ihr...

Man kann sich das nicht vorstellen: Kurt Cobain, Dave Grohl und Krist Novoselic, die drei Musiker von Nirvana, wie sie in der Berliner Columbiahalle oder gar in den O2-Arenen dieser Republik, ihr Album „Nevermind“ nachspielen. Wie sie mit „Smells Like Teen Spirit“ beginnen, der 45-Jährige Kurt Cobain „I feel stupid and contagious, here we are now, entertain us“ singt und eine erste Gitarre zerdrischt. Wie sie am Ende zu dritt ihre rumpelige Ballade „Something In The Way“ krächzen, noch passabel aussehend, mit drogen-, und fitnessgestählten Astralkörpern. Und wie dann die Älteren im Publikum der Band zujubeln und sich selig an die frühen neunziger Jahre erinnern, während ihre Kinder, in deren Teenager-Zimmern Poster von dem blonden, langmähnigen, blauäuigen Cobain hängen, Nirvana als ultimative Begleitung auf dem Weg ins Erwachsenenleben begreifen.

Vorstellen kann man sich das natürlich deshalb nur schwer, weil Kurt Cobain sich im April 1994 das Leben nahm – und Dave Grohl mit seiner nach Cobains Tod gegründeten Band Foo Fighters so erfolgreich ist, dass er keine Nirvana-Revival-Touren machen muss. Aber die Fantasie versagt auch deshalb, weil Nirvana schon damals, als „Nevermind“ vor genau zwanzig Jahren veröffentlicht und stetig erfolgreicher wurde, alles dafür taten, nicht in die Klassikrock-Falle zu geraten. Nur hieß diese Falle damals nicht so. Pop und Rock waren zu jung, um am laufenden Band Klassik-Medaillen zu verteilen. Damals ließ sich die Popwelt zumindest in bestimmten Segmenten noch schön sauber in Untergrund und Mainstream einteilen. Nirvana gehörten dem Untergrund an, als sie sich Ende der achtziger Jahre in Seattle gründeten und auf dem Indielabel SubPop ihr Debüt „Bleach“ veröffentlichten: ein rohes Grungealbum mit Metalsprengseln, das an mancher Stelle aber schon popmäßig zuzupacken wusste.

Den Untergrund verließen Nirvana, zumindest auf dem Papier, als ihr zweites Album „Nevermind“ beim Majorlabel Geffen erschien. Aus dem Nichts kamen Nirvana nicht. Eifrig stöberten die großen Plattenfirmen im Unterground, nachdem sie gemerkt hatten, dass Bands wie Guns’n’Roses, Faith No More oder Metallica Konkurrenz vertragen konnten, dass die interessanteste, avancierteste Rockmusik zu der Zeit nicht bei ihnen, sondern auf Indielables wie SST, SubPop oder Homestead erschien. Anders als auf die zeitgleich veröffentlichten Guns’n’Roses- Alben „Use Your Illusions I & II“ hatte auf „Nevermind“ jedoch niemand gewartet – geschweige denn damit gerechnet, dass bald die ganze Welt Nirvana hören würde.

Lesen Sie auf Seite 2, wie die Reaktionen auf„Nevermind“ ausfielen.

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