Kultur : „Nix und Widder Nix“

„Peppermint Club“ im Wintergarten Berlin

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Punktgenau. Sängerin Lisa Huk. Foto: dapd
Punktgenau. Sängerin Lisa Huk. Foto: dapdFoto: dapd

Er ist dick. Kugelrund. Konstantin Mouraviev tut wirklich alles, um abzuspecken – auch vor einem riesigen Rhönrad schreckt er nicht zurück. Und wie er es beherrscht: Er lässt sich überrollen und sitzt doch gleich wieder obenauf. Das Rad rotiert, immer flacher werden seine Kreise, mit dem Russen in der Mitte. Doch der lässt sich nicht abschütteln. Am Ende ist er tatsächlich schlank – bis zum nächsten Augustiner. Mit den 50er Jahren hat all das zwar wenig zu tun, aber wir sind im Varieté, da zählen andere Dinge. Weil er witzig und akrobatisch zugleich ist, wird Mouraviev zum Mittelpunkt der neuen Show „Peppermint Club“ (Regie: Michael Klich), mit der der vor genau einem Jahr wiedereröffnete Wintergarten die Wirtschaftswunderepoche auf die Bühne bringen möchte. Und das gelingt auch, trotz der aseptischen, voreinstudierten, kunststoffverpackten Moderation von Sängerin Lisa Huk, die zu meinen scheint, dass Spontanität nur schadet. Dafür macht Jongleur Paul Ponce aus einem Hut plötzlich sechs und verliert, selbst als er durch die engen Reihen des Publikums wandert, keinen einzigen davon. Das pfälzische Komikerduo „Max Nix & Willi Widder Nix“ spielt Bill Haleys „Rock Around the Clock“ auf tigerfellummantelten Alphörnern und schrammt auch sonst brutal an der Geschmacksgrenze vorbei. Natürlich ist das alles traditionell insofern, als die Nummer einfach addiert und mit dem dünnen Mäntelchen einer Geschichte umhängt werden. In seiner fünften Produktion nach der Wiedereröffnung geht der Wintergarten auch im Sinne Konrad Adenauers zurück in die 50er Jahre: Nur keine Experimente. Udo Badelt

bis 2. April, Mi.–Sa. 20 Uhr, So. 18 Uhr

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