Kultur : Nobelpreis: Champagnerlaune

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Trubel bei Picador in Halle 8. Der Verlag veröffentlicht V. S. Naipaul in dessen Heimat England. Am Stand ein Pulk internationaler Journalisten: Haben Sie schon mit ihm gesprochen? Der Mann, auf den alle einstürmen, ist sein Verleger Peter Straus: Nein, noch keiner hat mit ihm gesprochen. Wir kommen nicht durch, aber wir haben ihm ein Fax in sein Haus nach London-Wiltshire geschickt. Und wie Straus so dasteht, mit zwischen Ohr und Schulter eingeklemmtem Handy und dem gerade auf englisch erschienenem Roman "Ein halbes Leben", möchte man ihm wünschen, dass er mehr berichten könnte, außer dass Naipaul seinen Erfolg verdiene, der Messe jedoch keinen Blitzbesuch abstatten werde. Aber der schwedische Verleger hat mit Naipuals Frau gesprochen, weiß jemand zu berichten. Und es hat Champagner gegeben.

Hilft nichts: Vielleicht kann Ihnen der ältere Herr dort drüben etwas sagen. Ivan Nabokov verlegt Naipaul seit Ende der 70er Jahre in Frankreich: zuerst bei Gallimard, dann bei Albin Michel und Christian Bourgeois, heute bei Plon. Richtig populär sei er auch in Frankreich nicht. Aber sein großes Indienbuch sei erfolgreich gewesen. Und wenn man Naipaul verstehen wolle, dann solle man ihn weniger mit Joseph Conrad vergleichen als mit Voltaire. In diesem Moment kommt jemand strahlend zu Picador, der Naipaul täuschend ähnlich sieht: Sony Mehta, sein amerikanischer Verleger, der das Glück haben wird, ihn am 28. Oktober in New York zu treffen. Wie der Preisträger die Nachricht wohl aufgenommen habe, wird er gefragt, und er sagt ganz still: "I think, Mister Naipaul is pleased".

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