Kultur : Nobelpreis für Harold Pinter: Kritik und Lob

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Die internationale Presse hat mit Lob, aber auch mit Unverständnis auf die Vergabe des LiteraturNobelpreises an den britischen Dramatiker Harold Pinter reagiert. „Die Akademie ehrt mit Pinter eine vergangene Zeit. Sie vergibt den Preis für etwas, was schon Theatergeschichte geworden ist“, kommentiert die schwedische Zeitung „Svenska Dagbladet“. Während sich die größte schwedische Zeitung „Aftonbladet“ diplomatischer äußert, nennt „Dagens Nyheter“ die Entscheidung „ebenso kontrovers wie letztes Jahr für Elfriede Jelinek“.

Kritisch äußert sich auch der italienische „Corriere della Sera“: „Ein politischer Nobelpreis an einen Guru der Vergangenheit. Pinter hat den Ängsten der Nachkriegszeit eine Stimme verliehen, aber jetzt ist er zum Gefangenen seiner Figuren geworden.“ Die Londoner „Times“ nennt zwei Möglichkeiten, wieso die Akademie sich für Pinter entschieden haben könnte. Zum einen könne sie einfach festgelegt haben, dass „2005 der ideale Zeitpunkt war, einen Mann zu ehren, dessen charakteristische Werke Ende der 50er Jahre geschrieben“ wurden. Die andere Möglichkeit sei, dass Pinter gerade der „größte und schärfste Speer war, mit dem das Nobel-Komitee Amerika ins Auge stechen konnte“.

Andere Zeitungen bejubeln die Wahl Pinters. „France Soir“ schreibt: „Pinter ist der König des Worts, das ins Schwarze trifft, und ein Mann der Repliken im Sinne eines Absurden, das dem seines großen Freundes Samuel Beckett sehr nahe kommt.“ Auch die „New York Times“ begrüßt das Votum für den „Erben“ Beckets: „Großes Theater, das unsere Sicht auf die Welt verändert, wirkt wie ein Virus. Harold Pinter ist der größte lebende Vertreter dieser Art von Theater.“ dpa

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