Kultur : Nobelpreis: Zocker wussten von Le Clézio

Die Nachricht, dass der diesjährige Literaturnobelpreis an den Franzosen Jean-Marie Gustave Le Clézio geht, ist wahrscheinlich vorab nach außen gedrungen. Horace Engdahl, Sekretär der Schwedischen Akademie, bestätigte der Zeitung „Dagens Nyheter“, dass nun nach „undichten Stellen“ gefahndet wird. „Wenn hier wirklich krumme Sachen passiert sind, müssen wir unsere Sicherheitsmaßnahmen weiter verschärfen.“ Einen Tag vor der Zuerkennung des Preises waren die Wetteinsätze beim britischen Buchmacher Ladbrokes massiv in die Höhe und die Quote für Gewinne nach unten gegangen. Sie sank vom ursprünglich 15-fachen Einsatz auf das Doppelte wenige Stunden vor der Bekanntgabe in Stockholm. Ladbrokes selbst stoppte die Wettmöglichkeiten wegen der verdächtigen Entwicklung. Ähnliche Vorgänge gab es 2003 bei der Vergabe an den Südafrikaner J. M. Coetzee und drei Jahre später an den Türken Orhan Pamuk. Mit seltener Selbstironie meinte Engdahl zu der Möglichkeit, dass einer der 18 Juroren selbst die undichte Stelle gewesen sein könnte: „Inkontinenz in unseren eigenen Reihen wäre ungewöhnlich.“

Der Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch, der in den letzten Jahren die meisten Bücher von Le Clézio verlegt hat, druckt unterdessen vergriffene Titel nach. Zur Buchmesse in der nächsten Woche sollen wieder lieferbar sein: die Romane „Goldsucher“ und „Revolutionen“, gebunden und als Taschenbuch, „Ein Ort fernab der Welt“ im Hardcover sowie „Fisch aus Gold“ und „Wüste“ als Paperback. In zwei bis drei Wochen sollen auch „Fliehender Stern“ und „Onitsha“ wieder auf den Markt kommen.dpa/Tsp

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