Kultur : Nobler Preis für noble Künste

Der japanische Praemium Imperiale geht dieses Jahr unter anderem an Claudio Abbado

BS

Zum 15. Mal wird in diesem Jahr der Praemium Imperiale, gestiftet von der Japan Art Association, vergeben. Richard von Weizsäcker zählt zu den sechs International Advisors, die der (japanische) Jury die Kandidaten benennen, unter denen die Auswahl in den Sparten Malerei, Bildhauerei, Architektur, Musik und Darstellende Künste (Bühne/Film) getroffen wird. Gestern lud der Altbundespräsident zum Frühstück in noblem Rahmen, um die Preisträger 2003 bekannt zu geben, noch ehe sie am heutigen Donnerstag in Rom offiziell präsentiert werden.

Weizsäcker nannte den Praemium Imperiale „eine sehr notwendige Auffüllung dessen, was im Nobelpreis zu kurz gekommen ist“: der Künste eben, über die sich Einverständnis eben nicht so leicht herstellen lässt. Daher das System der Advisors, allesamt verdiente Politiker aus verschiedenen Ländern, um die Internationalität des mit umgerechnet 108000 Euro je Sparte dotierten Preises zu gewährleisten.

Aus Berliner Sicht besonders erfreulich ist die Auszeichnung des ehemaligen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado. Er erhält den Preis für sein Lebenswerk; nicht zuletzt auch für seine Arbeit mit dem Nachwuchs, die er etwa mit dem European Union Youth Orchestra eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Ein klein wenig mitgeadelt fühlen darf sich Berlin auch in Person des Architekten Rem Koolhaas, der an der Spree die Botschaft seiner niederländischen Heimat errichtet. Ausgezeichnet wird er allerdings für seine weltumspannenden Projekte; von Weizsäcker betonte voller Stolz, dass er den 56-jährigen Rotterdamer nominiert habe. In der Sparte Malerei wird die englische Meisterin der Op-Art, Bridget Riley, ausgezeichnet, als Bildhauer der Italiener Mario Merz. Im Bereich Darstellende Künste kommt ein Filmregisseur zum Zuge: der Engländer Ken Loach, dessen klassenbewusste, um nicht zusagen klassenkämpferische Haltung auch vom Altbundespräsidenten besonders hervorgehoben wurde – ein hücher Kontrast zum höfischen Zeremoniell der Preisübergabe, die alljährlich im herbstlichen Tokio durch Prinz Hitachi vorgenommen wird. BS

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