Kultur : Nobles Gelingen

SINFONIE

Isabel Herzfeld

Kann man bei der „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz überhaupt etwas falsch machen? Was allerdings Charles Dutoit mit seinem Tokioter NHK Symphony Orchestra daraus macht, ist erstaunlich. Man muss schon lange im Gedächtnis suchen, vielleicht bis zum großen Sir John Barbirolli zurück, um sich an ein vergleichbares Glück, an ein verständnisinnigeres Ergründen der geheimsten Gänge dieser Musik zu erinnern. Ganz lapidar, dünnhäutig und verletzlich heben die „Träumereien, Leidenschaften“an, gipfeln in sich überstürzenden Bewegungen, die die „idée fixe“, das Motiv der Geliebten, ankündigen. Das Brüchige und Verrückte dieser „Episoden aus dem Leben eines Künstlers“ weiß Dutoit vor allem durch rhythmisch geschliffene Details einzufangen. Das Flair der Ballszene mit leichtfüßig ausschwingenden Walzerrhythmen, das skurril verknäuelte Fugato des „Hexensabbats“ mit grellen Glocken und groben „Dies irae“-Tönen – die japanischen Musiker sind stets klangschön und flexibel bei der Sache.

Nachdem man mit Tôru Takemitsus „Ceremonial – An Autumn Ode“, dem die Shô-Spielerin Mayumi Miyata das besondere Kolorit verlieh, quasi die Visitenkarte abgegeben hatte, erntete auch Lars Vogt seine Bravi. Der Solist des ersten Klavierkonzerts von Ludwig van Beethoven nahm durch unaufdringliche Virtuosität und feinsinnige Nuancen für sich ein. Über die Absage von Temperamentsbestie Martha Argerich allerdings konnte sein verdienstvolles Einspringen kaum hinwegtrösten.

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