Kultur : Noch einmal abheben

Die letzte Ausstellung bei Dieter Brusberg

Michael Zajonz

Dieser seltsame Vogel will noch immer abheben. Der Bildhauer und Zeichner Hans Uhlmann, der ab 1950 an der West-Berliner Hochschule der Künste gelehrt hat, war ein Meister großer Gesten in der kleinen Form. Seine Stahlskulptur „Roter Vogel“ von 1954 gehört zu den vielen Déjà-vu-Erlebnissen, mit der die definitiv letzte Galerieausstellung in Dieter Brusbergs Beletage lockt.

Zum Monatsende wird der 72-jährige Kunsthändler nach mehreren Vorankündigungen seine Galerieräume endgültig schließen – und in drei kleinen Showrooms im Hinterhaus mit verändertem Konzept weitermachen. Befreit von der Last des Tagesgeschäfts, will er künftig an ausgewählte Altkunden vermitteln: Zeitgenössisches, Alte Kunst und Vintage Design. In dieser Kombination ein Lebenstraum. „Ich will nicht mehr die große Öffentlichkeit“, erklärt Brusberg, „und nie mehr den Lärm der Messen.“ Ohne Wehmut ist das nicht gesagt. Abschied kann so schwer sein.

Ausstellungen zusammendenken, komponieren, hängen – das kann Brusberg noch immer. Die Abschiedsvorstellung „Zeitsprung, zweiter Teil“ wird so zu einem Vermächtnis. Zu sehen ist nicht der Bodensatz von fünf Jahrzehnten, sondern eine Künstler- und Werkauswahl, die Brusbergs persönliche Weltsicht erzählt. Spricht man den Hausherrn auf einzelne Arbeiten an, sprudeln die Geschichten nur so aus ihm heraus. Etwa über zwei Collagen von Max Ernst, die um 1930 als Abbildungsvorlagen zu seinem Collageroman „Das Karmelitermädchen“ entstanden sind. Oder Henri Laurens’ Bronze „La vague“: die erste Arbeit, die Brusberg an Dieter Scharf vermitteln konnte. Nun ist sie als Leihgabe zurückgekehrt und wird von verkäuflichen Laurens-Bronzen flankiert.

Ein fabelhaft eigensinniger Parcours voller Entdeckungen und Wiedersehensfreuden: von Werner Heldts Traumzeichnungen über die abgrundtiefe Leinwand „Drei Gesichter“ von Hannah Höch und Norbert Krickes Raumplastiken bis zu Walter Stöhrers Extremmalerei. „Jedes wahre Bild hat seinen Schatten, der es doubelt“ hat der eine seiner gestischen Leinwandexplosionen betitelt. Hellsichtiger geht’s nicht. Michael Zajonz

Brusberg, Kurfürstendamm 213; bis 29. März, Di–Fr 10–18.30 Uhr, Sa 10–14 Uhr.

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