• Noch sieht es hier nach Baustelle aus - Am Sonnabend öffnet die Ausstellung "7 Hügel"

Kultur : Noch sieht es hier nach Baustelle aus - Am Sonnabend öffnet die Ausstellung "7 Hügel"

Esther Kogelboom

Noch läuft der P3 an den Händen von sieben japanischen Technikern in weißen Arbeitsanzügen. Bald schon, am Sonnabend, wird der weiß lackierte Roboter ganz alleine die Stufen zum Podest hinauf schreiten, sich drehen, wenden und den Besuchern des Gropius-Baus freundlich zuwinken. P3, der weltweit erste humanoide Roboter, feiert in Berlin Europa-Premiere. Das Ergebnis von 14 Jahren Honda-Forschung wird im Lichthof des Museums im Rahmen des monumentalen Ausstellungsprojektes "7 Hügel - Bilder und Zeichen des 21. Jahrhunderts" zu sehen sein.

In diesen Tagen sieht es im Gropius-Bau noch so aus wie auf einer Großbaustelle: Der Lichthof ist komplett eingerüstet, es wird geschweißt, gehämmert, geschraubt, gezimmert. In der Mitte hängt das, was innerhalb von wenigen Tagen die Erdkugel werden soll - in dem gläsernen Konstrukt des Filmarchitekten und Oscar-Preisträgers Ken Adam, das zum Beispiel die Abläufe von Naturkatastrophen veranschaulichen kann, krabbeln Ingenieure umher. Unterdessen konfiguriert der Techniker Klaus Bienert eine Art Greifautomat für die Genforschung neu: ein Gerät zur maschinellen Vermehrung von Mikroorganismen vom Max-Planck-Institut, das komplett auseinandergenommen werden musste. In der Halle des Museums wird extra ein transparenter Fahrstuhl in Betrieb genommen, von dem aus die Besucher das Zentrum des Museums aus einer vollkommen neuen Perspektive betrachten können - von einer Ebene oberhalb der Galerie.

Die Zukunftsausstellung hat die Themen Kern, Dschungel, Weltraum, Zivilisation, Glauben, Wissen und Träume. Insgesamt 90 Techniker schuften in drei Schichten damit alles rechtzeitig fertig wird. Im "Dschungel" werden Kisten des Völkerkundemuseums mit Tierpräparaten ausgepackt, in der Abteilung "Weltraum", die von Charles Wilp erdacht wurde, knibbelt ein Mitarbeiter "Stycast" von einer metallenen Rampe, die in eine Schwerelosigkeitssimulation führt: Der Weltraumkleber, mit dem normalerweise Satellitenteile aneinandergepappt werden, erweist sich in der Kombination mit Erdanziehungskraft als ganz schön hartnäckig. Und Edouard Bannwart, Kurator für den Ausstellungsabschnitt "Wissen", ist glücklich, die winzig kleine Feder der "alles schreibenden Wundermaschine" irgendwo in einer Kiste wiedergefunden zu haben. In den "Glauben"-Räumen, die von den Architekten Gerrit Grigoleit und Lars Gräbner, beide Mitarbeiter von Daniel Libeskind, konzipiert wurde, stehen nur noch wenige Vitrinen ohne Inhalt herum.

Rund 2000 Objekte bekommen auf 5500 Quadratmetern Fläche in 40 Ausstellungsräumen ein neues, vorübergehendes Zuhause. Kostenpunkt: 28 Millionen Mark. "Diese Summe enthält aber auch vier Jahre Gehälter für wissenschaftliche Mitarbeiter, Infrastruktur, Mieten für Räume, Transport, Versicherung, Bewachung und technische Betreuung", gibt Produktionsleiter Christian Axt zu bedenken, der der Ausstellungseröffnung mit der wohl nötigen Gelassenheit entgegensieht: "Noch schlafe ich gut."

Das Besucherbüro des Gropius-Baus bietet eine Reihe von Führungen an, die schon jetzt gebucht werden können: Für Kinder von acht bis 14 Jahren gibt es "Bionik für Kids" sowie "Mobilität für die Zukunft" und für Erwachsene Einzel- und Gruppenführungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.Der Eintrittspreis beträgt zehn, ermäßigt sieben Mark. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von zehn bis 20 Uhr, Sonnabends bis 22 Uhr.

Infos im Internet

www.berlinerfestspiele.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben